Das unterfränkische Handwerk erlebt den schwersten konjunkturellen Einbruch seit 16 Jahren, vergleichbar nur mit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009/2010. Fast ein Viertel der Betriebe (24,2 %) bewertete die Geschäftslage im ersten Quartal 2026 als schlecht. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer für Unterfranken hervor. Es sind die globalen Krisen und die nationale Wirtschaftspolitik, die der Handwerkswirtschaft zusetzen. Dennoch bewerten 75,8 % der Betriebe ihre Lage als gut oder befriedigend.
„Die Stimmung im unterfränkischen Handwerk ist derzeit nicht gut. Diese Lage ist nicht rein wirtschaftlich bedingt, sondern auch durch die politischen Entscheidungen, oder vielmehr Nicht-Entscheidungen der Bundesregierung“, erklärt Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken. Der Anteil der Betriebe mit guter Geschäftslage sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,7 Prozentpunkte auf 33,4 %. Gleichzeitig stieg der Anteil derer, die ihre Lage als schlecht bewerten. „Vor einem Jahr hatten wir noch von einem Optimismus-Sprung gesprochen. Ein Jahr später ist dieser von einem gewissen Pessimismus verdrängt worden“, so Ludwig Paul.
Die Erwartungen, die die Gesamtwirtschaft und damit auch das Handwerk vor einem Jahr in die neue Regierung gelegt hat, wurden nicht erfüllt. Im Gegenteil: Der für Unternehmer sehr irritierende Vorschlag der Bundesregierung zur Auszahlung einer Entlastungsprämie von 1.000 Euro durch die Arbeitgeber hatte keinen Einfluss auf diese Konjunkturumfrage. „Wir sind überzeugt davon, dass unter dieser Vorgabe die Umfrage noch negativer ausgefallen wäre“, sagt Ludwig Paul.
Schere zwischen Ein- und Verkaufspreisen
Eine besondere Belastung stellt die wachsende Schere zwischen Einkaufs- und Verkaufspreisen dar. Während 68 % der Betriebe von gestiegenen Einkaufspreisen berichten, konnten nur 34 % ihre Verkaufspreise entsprechend anheben. „Diese Entwicklung setzt den Betrieben zu und bestätigt unser Anliegen, Entlastungen für unsere Handwerksunternehmen einzufordern“, betont Ludwig Paul. Die Situation werde durch den anhaltenden Iran-Krieg und die damit verbundenen hohen Ölpreise weiter verschärft, was die Inflation antreibt und Investitionen bremst.
Regionale und branchenspezifische Unterschiede
Die Konjunktur zeigt sich in den unterfränkischen Regionen unterschiedlich. Die Region Würzburg (Stadt und Landkreis Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen) ist mit 80,9 % zufriedenen Betrieben am robustesten, gefolgt von Main-Rhön (Stadt und Landkreis Schweinfurt, Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld) mit 75,7 %. Am Bayerischen Untermain (Stadt und Landkreis Aschaffenburg, Miltenberg) ist die Zufriedenheit mit 70,8 % am geringsten, jedoch blicken die Betriebe dort am optimistischsten in die Zukunft: 81,2 % erwarten eine stabile oder bessere Geschäftslage. Das ergibt eine Differenz von über 10 Prozentpunkten im Vergleich der aktuellen zu der erwarteten Geschäftslage.
Spitzenposition für das Bau- und Ausbaugewerbe
Die Unternehmen des Bauhaupt- und des Ausbaugewerbes bewerten ihre konjunkturelle Lage im ersten Quartal mit 79,8 % als gut oder befriedigend, sie nehmen damit die Spitzenposition im Branchenvergleich ein. „Das verwundert nicht, hier hat die Politik bereits Impulse gesetzt, beispielsweise mit dem Bau-Turbo“, so Ludwig Paul. Auch bei den Kfz-Unternehmen herrscht eine weitgehend positive Grundstimmung, rund 79 % sind mit ihrer aktuellen Lage zufrieden.
Verhaltener Optimismus und Appell an die Politik
Trotz der angespannten Lage blicken die Handwerksbetriebe verhalten optimistisch auf das zweite Quartal 2026: 78,6 % der Betriebe erwarten eine bessere (21,4 %) oder zumindest gleichbleibende (57,2 %) Geschäftslage.
Hauptgeschäftsführer Ludwig Paul schließt mit einem Appell: „Unsere Betriebe haben gute Sensoren und sind bereit, Deutschland zu einem Wirtschaftswachstum zu führen. Es ist höchste Zeit, dass die bundesdeutsche Wirtschaftspolitik die kleinen und mittleren Betriebe in den Fokus nimmt. Bei diesen werden nachhaltige Unternehmensstrategien verfolgt, die Deutschland voranbringen.“
Bild: Im ersten Quartal 2026 erlebt die unterfränkische Handwerkskonjunktur einen deutlichen Dämpfer. Fast ein Viertel der im Rahmen der Konjunkturumfrage befragten Betriebe bezeichnete seine aktuelle Geschäftslage als schlecht. In das zweite Quartal blicken die Betriebe verhalten optimistisch.
Foto: Sascha Schneider








