Schwebheim: Eine Schlange mit tausend Füßen und einem Kopf aus Blumen – Jana hat schon eine klare Vorstellung, wie ihr Fantasietier aussehen soll.
Angeregt hat dies die Künstlerin Julia Gock mit ihrer Erzählung von Rodolfo und seinen Freunden, die als „Gestalter“ die Welt erschaffen.
Jana besucht die Klasse 4a der Heideschule und diese Klasse hat Glück gehabt. Sie haben einen Sponsor gefunden, der Ihnen die Teilhabe am LTTA – Projekt ermöglicht. Seitdem lädt Klassleiterin Susanne Baumgartner regelmäßig eine „Mentorkünstlerin“ in den Unterricht ein, die mit den Kindern arbeitet.
LTTA heißt „Leanring through the arts“, lernen durch die Künste. Dr. Petra Weingart hat diese kreative Art des Unterrichts in Unterfranken etabliert. Selbst Grundschullehrerin, merkte sie schnell, dass die künstlerische Umsetzung viele Lerninhalte nachhaltiger vermittelt. Und den Kindern das Lernen vor allem sehr viel mehr Spaß macht. Am Institut für Schulpädagogik der Universität Würzburg hat sie dann zu diesem Thema promoviert. Auf einem Kongress in Portugal lernte sie Angela Elster kennen, die in Kanada schon seit Jahren ein Programm mit allen Kunstformen für den Unterricht entwickelt hat. Jetzt war Weingart nicht mehr zu bremsen. Sechs Schulen mit 21 Klassen in den Städten und Landkreisen Würzburg und Schweinfurt gingen mit ihr an den Start. Angela Elster selbst kam mit ihren Mentorkünstlerinnen aus Kanada und hielt Lehrerfortbildungen, inzwischen ist die dreijährige Fortbildung für Lehrer und Künstler angelaufen.
Den Kindern ist das alles relativ egal. Sie sitzen am Boden und lauschen der Geschichte von Julia Gock. Dabei unterstützen sie sie kräftig durch Mimik und Gestik. In einer kleinen Fantasiereise schließen sie die Augen und stellen sich ihr Fantasietier vor. Es ist Deutschunterricht, Hörschulung und Sprachgebrauch stehen im Lehrplan des Tages. Das mit dem Hören ist kein Problem, wie gebannt hängen die Kinder an den Lippen der Erzählerin. Und bei einer wörtlichen Rede wird immer die Hand auf den Kopf gelegt. Dann werden „Wie-Wörter“ gesucht. Wie soll das Fantasiewesen sein? Alt oder jung, schwach oder kräftig, groß oder klein?
Studien aus Kanada belegen die Nachhaltigkeit dieser Art von Unterricht. Kinder lernen nur zu 18 Prozent das, was sie hören. Um das Gelernte zu behalten, braucht es auch andere Sinne. Was getan, gesehen und in Bewegung umgesetzt wird, das bleibt. Deshalb sollten jetzt die Künste als Katalysator in den Lehrplan aufgenommen werden, um Kernfächer wie Mathematik, Sprachen, Naturwissenschaften und Soziales besser zu vermitteln. Aber noch ist dies alles ein Pilotprojekt. Gesucht werden Künstler, die sich zu Mentorkünstlern ausbilden lassen, und vor allem Sponsoren, denn das Ganze ist nicht gerade billig.
Der Lions-Club Schweinfurt hat es einer Klasse der Heideschule ermöglicht, an diesem Projekt teilzunehmen. Drei Jahre lang werden dafür jährlich 1 500 Euro bezahlt. Die Lions-Jugendstiftung, erklärt deren Vertreter Dr. Rainer Nowak, hat sich die Unterstützung junger Menschen auf die Fahnen geschrieben. Solche Aktionen, die die Aus- und Weiterbildung fördern, werden finanziell unterstützt. Nachdem man in den vergangenen drei Jahren LTTA an der Grundschule Werneck gefördert habe, so Nowak, sei nun die Heideschule an der Reihe. Ein Glücksfall für Susanne Baumgartner und ihre 4a.
Da die Begeisterung der Kinder aber auch in die anderen Klassen schwappt, wünschen sich mehr Kinder und Lehrer eine solche Möglichkeit. Vielleicht lassen sich ja noch Sponsoren finden, die auch anderen Klassen einen so kreativen und anregenden Unterricht ermöglichen.




































