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Kaufkraft in Mainfranken steigt auf 32.000 Euro pro Kopf – der stationäre Handel bleibt trotzdem zurückhaltend

vom 10.06.2026 - 08:06 Uhr

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Würzburg/Mainfranken: Die Menschen in Mainfranken verfügen im Jahr 2026 über eine allgemeine Kaufkraft von rund 30,2 Milliarden Euro. Sie werden voraussichtlich 7,7 Milliarden Euro ihres verfügbaren Nettoeinkommens für Produkte im Einzelhandel ausgeben, wovon 88 Prozent an den stationären Kassen mainfränkischer Händler landen dürften. Dies geht aus einer neuen Analyse der IHK Würzburg-Schweinfurt zu den Einzelhandelskennzahlen für Mainfranken im Jahr 2026 hervor. Grundlage der Analyse ist eine Prognose der Michael Bauer Research GmbH.

Im Durchschnitt hat ein Mainfranke heute mehr Geld im Portemonnaie als noch vor fünf Jahren. Die aktuelle Kaufkraft beträgt rund 30,2 Milliarden Euro. Im Jahr 2022 hatte sie bei 25,8 Milliarden Euro gelegen. Dies entspricht einem Anstieg um 4,4 Milliarden Euro. Pro Kopf liegt die Kaufkraft im Jahr 2026 bei 31.946 Euro. Auch im Vergleich zum Vorjahr ist eine Zunahme der Kaufkraft in Mainfranken zu verzeichnen – absolut um rund 0,8 Milliarden Euro bzw. pro Kopf um 995 Euro oder 3,2 Prozent. Das Wachstum der Kaufkraft und das damit verbundene Konsumpotenzial in Mainfranken sind aus Sicht der regionalen Wirtschaft eine erfreuliche Entwicklung. Es sieht so aus, als könnten die Kaufkraftzugewinne die von der Bundesregierung für das Jahr 2026 prognostizierte Inflationsrate von 2,7 Prozent ausgleichen. „Allerdings muss betont werden, dass die Folgen des Irankriegs auf die Preisentwicklung im weiteren Jahresverlauf bislang schwer abschätzbar sind und die Konsumfreude der Verbraucher sehr zurückhaltend bleibt. Gerade im stationären Einzelhandel werden die positiven Impulse aus der Kaufkraftentwicklung aktuell überwiegend nicht wahrgenommen“, erläutert IHK-Bereichsleiter Dr. Christian Seynstahl.

Ungleiche Verteilung der regionalen Kaufkraft

Von den 30,2 Milliarden Euro Konsumpotenzial stehen laut den aktuellen Daten insgesamt 7,7 Milliarden Euro für Ausgaben im Einzelhandel – stationär sowie online – zur Verfügung. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Regionen und nicht alles Geld verbleibt in Mainfranken. Mit Blick auf die Region reicht die Spanne der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft pro Kopf auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte von 7.699 Euro in der Stadt Schweinfurt bis 8.421 Euro im Landkreis Würzburg. „Diese regionalen Unterschiede sind unter anderem auf die demografische Situation und Sozialstruktur der Bevölkerung, die Erwerbsbeteiligung, das Lohnniveau und die damit verbundene Vermögensbeteiligung sowie weitere Einflussfaktoren, beispielsweise die Mietpreise, zurückzuführen“, so Seynstahl.

Regionaler Handel bezieht rund 6,8 Milliarden Euro

„Der tatsächliche Umsatz der regionalen Händler – stationär sowie online – wird im Jahr 2026 bei rund 6,8 Milliarden Euro liegen“, erklärt Seynstahl weiter. Mit Blick auf Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern werden die meisten Umsätze mit über 1,6 Milliarden Euro in der Stadt Würzburg erwartet. Die Stadt Schweinfurt kann mit knapp 698 Millionen Euro rechnen. Auf dem dritten Platz folgt die Stadt Haßfurt mit etwa 246 Millionen Euro.

Zugleich zeigen die Zahlen, dass ein erheblicher Anteil der Mittel nicht in der Region verbleibt. Mainfrankenweit fließen rund zwölf Prozent der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft, was etwa 937 Millionen Euro entspricht, an den Onlinehandel ab. Nur ein Teil davon geht an hiesige Internethändler. Hinzu kommen Ausgaben, die außerhalb der Region getätigt werden, beispielsweise im Urlaub oder bei Ausflügen. Umgekehrt fallen in Mainfranken natürlich auch Ausgaben von Kunden an, die außerhalb der Region wohnen.

Seynstahl zieht das Fazit: „Gerade in den aktuell wirtschaftlich herausfordernden Zeiten stehen Handelszentren nicht nur im Wettbewerb mit dem E-Commerce, sondern auch mit anderen Standorten. Es wird immer wichtiger, dass Städte attraktiv für Besucher und Bürger bleiben. Den Kommunen kommt hierbei eine entscheidende Rolle zu. Sie müssen nicht nur attraktive Rahmenbedingungen schaffen, sondern auch Aspekte wie die gute Erreichbarkeit der Innenstädte im Blick behalten. Gleichzeitig braucht es neue Impulse, um zum Stadtbesuch zu animieren. Unser Appell lautet daher, den intensiven Austausch mit innerstädtischen Gewerbetreibenden zu suchen und ihre Belange ernst zu nehmen.“

Mainfränkische Mittelzentren sind Versorgungsanker

Die sogenannte Zentralitätskennziffer kann als Indiz für die Attraktivität eines Standorts als Einkaufsort dienen. Gemeinden mit einer hohen Einkaufsattraktivität weisen eine Zentralitätskennziffer über 100 auf, da sie mehr einzelhandelsrelevante Kaufkraft aus anderen Gebieten binden als sie eigene Kaufkraft an andere Regionen abgeben. Unter den Städten mit über 10.000 Einwohnern liegt die Stadt Haßfurt mit einem Indexwert von 253 Punkten an der Spitze, gefolgt von Bad Neustadt an der Saale mit 223 Punkten. „Grund hierfür ist die wichtige Versorgungsfunktion der zentralen Orte in Mainfranken. Besonders die regionalen Mittelzentren spielen dabei neben den Oberzentren und dem Regionalzentrum Würzburg eine wichtige Rolle. Uns ist es daher wichtig zu betonen, dass die Zentren auch immer ihr Einzugsgebiet im Umland im Blick behalten müssen. Wer Wirtschaftspolitik und kommunale Entwicklung nur bis zur administrativen Stadtgrenze versteht, sägt am eigenen Ast”, führt Seynstahl aus. Mit Ausnahme der Stadt Karlstadt, die einen Indexwert von 92,7 Punkten ausweist, liegen alle mainfränkischen Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern hinsichtlich der Einzelhandelszentralität über dem Bundesschnitt von 100 Punkten.

Weitere Informationen zu aktuellen Kaufkraftdaten in Mainfranken finden Interessierte online unter: www.wuerzburg.ihk.de/handel

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