Düstere Generationenbilanz beim Mittelstandstag der IHK

22. September 2016

Schweinfurt / Würzburg: Sprudelnde Steuereinnahmen, aber allenfalls eine geringe Rückführung der Staatsverschuldung. Zudem neue finanzielle Risiken für die öffentlichen Kassen als Folge der demografischen Entwicklung. Wohin dieser Weg führt und wie handlungsfähig der Staat von morgen ist, das diskutierten rund 180 Gäste anlässlich des diesjährigen „Mainfränkischen Mittelstandtags“ in der IHK-Geschäftsstelle in Schweinfurt mit Professor Dr. Bernd Raffelhüschen.

Raffelhüschen, ist kein klassischer Vertreter seiner Zunft. Wo andere Professoren akademisch formulieren, spitzt er zu, wo andere besonnen abwägen, greift der Ökonom von der Albert-Ludwig-Universität Freiburg launig zum Hammer. In der IHK in Schweinfurt legte er beim Mittelstandstag den Finger in die Wunden des Sozialversicherungssystems und zeigte anhand der Generationenbilanz sehr deutlich, welche Belastungen auf die Generation von morgen zukommen: „Es gibt Schulden, die man sieht und sehr viel mehr, die man nicht sieht.“

Demnach zeigt die Statistik der ausgewiesenen Staatsverschuldung eine Pro-Kopf-Verschuldung von rund 25.000 Euro. „Rechnen wir zusätzlich zu den sichtbaren Schulden aber zukünftige Ansprüche aus Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung oder Pensionszahlungen für heutige Beamte – die unsichtbaren Schulden –, steigt die Verschuldung um zusätzliche 50.000 Euro pro Kopf.“ Die tatsächliche Staatsverschuldung liege demnach deutlich höher, wenn Leistungsversprechen mit berücksichtigt werden, für die keine Rückstellungen des Staates vorliegen.

„In Zukunft wird die Anzahl der Erwerbstätigen im besten Fall bei 90 Prozent des heutigen Niveaus liegen, aber wir werden doppelt so viele Rentner und viel mehr Krankheiten und Pflegefälle sehen. Die Situation verschärfe sich dramatisch, Leistungsversprechen auf heutigem Niveau seien schlicht nicht haltbar.“ Schuld hieran sei schlicht die heutige Generation.

Deutliche Kritik übt Raffelhüschen an der Politik der Bundesregierung mit Blick auf die Rente mit 63 oder die Mütterrente. Diese Rentenerhöhung nütze nur bereits gut abgesicherten Fachkräften und konterkariere dringend erforderliche Weichenstellungen der öffentlichen Haushalte. Durch die Flüchtlingszuwanderung erwarte er zudem massive finanzielle Belastungen der Sozialkassen.

Ergänzt wurde der Mittelstandstag durch einen Vortrag von Professor Dr. Matthias S. Fifka, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, zum Thema Corporate Social Responsibility (CSR). Er zeigte, dass in der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen Chancen liegen. Es gehe bei CSR nicht darum, was man mit dem Geld Gutes für die Gesellschaft bewirken könne, sondern im Wesentlichen um die Frage, wie das Geld verdient werde. Eine immer dynamischere und international vernetzte Welt mit einem steigenden Bewusstsein für globale Herausforderungen wie Klimawandel, Demografie und Menschenrechte zwinge Unternehmen dazu, sich mit CSR auseinanderzusetzen: „Unternehmen können ihre Reputation positiv beeinflussen und binden nicht zuletzt engagierte Mitarbeiter in ihren Betrieb.“, so der Experte für Unternehmensethik. CSR sei letztlich kein Gutmenschentum, sondern leiste einen betriebswirtschaftlich positiven Effekt und Vorteile im Wettbewerb.

Der Mainfränkische Mittelstandstag der IHK Würzburg-Schweinfurt ist fester Bestandteil des Jahresprogramms der mainfränkischen Wirtschaftskammer. Informationen zur Veranstaltung sowie zum Thema Unternehmertum und Mittelstand finden Sie unter www.wuerzburg.ihk.de/mittelstandstag

Bildunterschrift Gruppenbild (v.l.): Stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Bode, Professor Dr. Matthias S. Fifka, IHK-Präsident Otto Kirchner, Professor Dr. Bernd Raffelhüschen und Dr. Sascha Genders, IHK-Bereichsleiter Standortpolitik sowie Existenzgründung und Unternehmensförderung. Foto: ihk/dino

online gestellt von Florian Kohl

Florian Kohl ist Inhaber von REVISTA in Schweinfurt, Podcaster bei schweinfurtundso.de, Blogger bei floriankohl.de und Partner bei kunkel & kohl. Du erreichst Florian per Email unter fkohl@revista.de

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