Landkreis Bad Kissingen: Der Wolf hat längst Einzug in Deutschland gehalten. So auch im Landkreis Bad Kissingen. Und damit ist ein wichtiges Thema in den Fokus geraten: Der Herdenschutz. Denn in der Rhön grasen viele Tiere draußen auf den Weiden, darunter auch das Rhönschaf, welches durch die Beweidung die einzigartige Landschaft der Rhön mitgeprägt hat – bekannt als „Das Land der offenen Fernen“. Um die Weidetiere bestmöglich vor einer Attacke zu schützen, initiiert das Zukunftslabor des Landkreises Bad Kissingen gerade ein Forschungsprojekt zur Verbesserung des Herdenschutzes auf Basis moderner KI-gestützter Technologien.
Zur Demonstration eines modernen Herdenschutzzaunes kam der Zaunbau -Vizeweltmeister Sven Jacob aus Wörth am Main bereits vormittags nach Aura, um dort die neue Umzäunung aufzustellen. Die Versuchsfläche wurde auf dem ehemaligen Bienenforschungsgelände am Pumphaus im Wässerungsweg in Aura eingerichtet. Denn dort steht noch die Infrastruktur vom vorherigen Projekt HOBOS (Honey Bee Online Studies) bereit, darunter Strom, Glasfaseranschluss, WLAN und EDV-Netzwerk, Brauchwasser für die Tränke der Tiere und ein Mast.
Landrat Mario Götz sagte bei der Präsentation des Testgeländes: „Mit dem Zukunftslabor leisten wir hier echte Pionierarbeit. Denn die Verbesserung des Herdenschutzes mit künstlicher Intelligenz wird in Zukunft eine immer größere Bedeutung gewinnen. Und wir haben hier vor Ort, zwischen Saaletal und Rhön, die Möglichkeit, mit allen wichtigen Akteuren gemeinsam diese Systeme zu entwickeln. Das ist eine große Chance für die gesamte Region.“
Die aufgebaute Versuchskoppel ist mit verschiedenen elektronischen Systemen, zum Beispiel Kameras und Sensoren, bestückt. Die KI wird dabei beispielsweise durch Kameraaufnahmen von Nutztieren und Beutegreifern (Wolf, Fuchs, Hund, etc.) trainiert, um ein Frühwarnsystem zu etablieren. Auf dem Testgelände in Aura werden verschiedene KI-Modelle verwendet, verglichen und fortlaufend optimiert. Auch drohnengestützte Systeme sind grundsätzlich möglich.
Zur Projektpräsentation waren sowohl Bürgermeister Martin Kaiser als auch Mitglieder des Gemeinderates Aura vor Ort. Auch Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde sowie Interessierte nutzten die Gelegenheit, mehr über KI-gestützten Herdenschutz zu erfahren und live zu erleben. Die Bewirtung erfolgte durch den Biohof Brand. Im Anschluss trafen sich alle am Schafhof im Bistro zu gemeinsamen Gesprächen und fachlichem Austausch. Mit dabei waren auch Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes.
Das Zukunftslabor des Landkreises Bad Kissingen an der Wetterstation des DWD im Bad Kissinger Stadtteil Hausen hat sich als Bildungsort und Schaufenster für Technik in der Region etabliert. Schwerpunkte sind unter anderem Sensoren, KI-Bilderkennung und Drohnen. Ein Teilprojekt ist dabei das Thema „Herdenschutz und KI-Kameras“ am Versuchsgelände in Aura. Angeboten werden auch Projekttage, Workshops, Forschungsprojekte für Studierende oder MINT-Tage für Schulklassen. Das Zukunftslabor ist per E-Mail unter zukunftslabor@kg.de zu erreichen.
Das Material und der Aufbau sind für den Landkreis kostenlos, dank des Sponsorings der Firma AKO-Agrartechnik GmbH & Co. KG. Die Stadtwerke Hammelburg (HABNET) stellen den Gigabit-Glasfaseranschluss zur Verfügung, ohne diesen die Übertragung und Verarbeitung der hochaufgelösten Videodaten in Echtzeit nicht möglich wäre. Weitere Partner des Projekts sind die Universität Bremen, sowie das Start-up Pax Lupus aus Wismar. Dies zeigt auch das überregionale Interesse an dem Herdenschutz mit KI-Unterstützung. „Wir möchten uns auch bei der Gemeinde Aura bedanken, die dem Landkreis die kostenfreie Nutzung des Geländes ermöglicht“, so Landrat Götz.
Bild: Von links: Landrat Mario Götz und Bürgermeister von Aura, Martin Kaiser, lassen sich das KI-gestützte System vor Ort von Hartmut Vierle (Zukunftslabor, Landkreis Bad Kissingen) erklären.
Foto: Landkreis Bad Kissingen/Lena Metz








