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Notruf 112 – ILS die neue Integrierte Leitstelle Schweinfurt

Aus dem aktuellen SWmagaz.in: Es war der Abend des 20. Septembers als eine Gewitterfront von West nach Ost durch Unterfranken gezogen ist. Es hat vor allem den nördlichen Bereich getroffen. Fast zwei Stunden lang war in der neuen Leitstelle Hochbetrieb. Es waren vor allem Einsätze der Feuerwehr, die von den vielen Notrufen ausgelöst wurden. Umgestürzte Bäume, ausgeschwemmte Kanaldeckel, beschädigte Stromleitungen und Äste, die auf Gleisen und Straßen den Verkehr behinderten. Zum Glück gab es nur einen Personenschaden; eine Frau wollte in der Stadt vor dem starken Regen flüchten. Auf dem nassen Boden rutschte sie aus und stürzte. Sie musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Um 21.00 Uhr empfing uns der Leiter der ILS, Thomas Schlereth und sein Schichtleiter Manfred Brand mit den Worten: „Ihr hättet mal vor zwei Stunden kommen müssen.”

Thomas Schlereth kommt aus Nüdlingen bei Bad Kissingen, hat beim ASB seinen Zivildienst gemacht, war sehr aktiv beim ASB, hat dann in der Leitstelle angefangen und nebenher eine Ausbildung zum Fachwirt gemacht. Vor drei Jahren er Betriebswirtschaft studiert, alles Voraussetzungen, um die Leitung zu übernehmen. Eigentlich wollte er Medizin studieren. Sechs Semester hat er durchgehalten, aber vier Tage in der Woche in einer Pizzeria jobben, um das nötige Kleingeld zu verdienen, war halt doch ein bisschen heftig. Zum Job in der Leitstelle ist dann gleich noch eine Feuerwehrausbildung dazugekommen, ein Brandinspektorenmodul war Voraussetzung für die Stellvertretung und seit letztem Jahr im Juli ist Thomas Schlereth Dienststellenleiter. Dass die Familie momentan etwas zu kurz kommt, speziell seine beiden Kinder, ist der Tatsache geschuldet, dass mit der ILS etwas ganz Neues aufgebaut wurde.

 

Vollbetrieb seit Ende Juli

Seit Ende Juli hat die neue Integrierte Leitstelle (ILS) in Schweinfurt ihren Vollbetrieb in der Friedrich-Gauß-Straße aufgenommen, seit dem wird der Rettungsdienst- und Feuerwehrnotruf in der ganzen Region über die Rufnummer 112 abgewickelt. In den Regelzeiten verrichten bis zu sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Einsatzleitplätzen ihren Dienst; im Bedarfsfall können an 16 Arbeitsplätzen eingehende Notrufe abgefragt und Rettungsdienst und Feuerwehr zum Einsatz gebracht werden. Insgesamt stellen 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Erreichbarkeit rund um die Uhr sicher; nachts sind mindestens drei Disponenten telefonisch erreichbar.

 

Ein Kraftakt

„Ganz reibungslos ist der Start in die neue Leitstelle nicht verlaufen. Wir haben z.B. im Vorfeld des ILS-Starts die Kommandanten von unserem ganzen Bereich eingeladen, jeweils ein KBM mit den Kommandanten, für die er zuständig ist. Wir haben 530 Feuerwehren, 430 Kommandanten innerhalb von zwei Monaten durch die Leitstelle geführt, haben das System vorgestellt, Einsätze durchgespielt und dabei natürlich Dinge entdeckt, die in der Planung nicht aufgetaucht sind.

Die Planunghoheit lag beim Landratsamt zusammen mit der Feuerwehrführung. Die Kommandanten haben seit Jahrzehnten Erfahrung mit solchen Einsätzen, sie haben uns gesagt, stopp da passt was nicht… Entweder konnten wir es erläutern oder man hat einen echten Fehler aufgedeckt. Das war sehr hilfreich.”

Auch heute im Regelbetrieb ist das in der Friedrich-Gauß-Straße nicht anders. Der Einsatzleiter der Feuerwehr ist im Alarmierungsfall sehr schnell über Funk mit der Leitstelle verbunden. Er kann in jedem Fall nachsteuern. Nach den Einsätzen wird immer nachbesprochen. Wenn im System ein Fehler ist oder von der Anlage her, dann wird das sofort geändert.

„Im Rettungsdienst ist es anders. Da ist ja die Leitstelle die einsatzführende Stelle und da müssen wir selbst nachsteuern. Gut, das ist unser Geschäft. Im Feuerwehrbereich ist das einfacher, weil wir relativ schnell Fehler ausbügeln können. Wenn der Disponent z.B. einen Notarzt nachalarmieren müsste, es nicht tut, dann kriegt er ein Problem.”

Im System gibt es 58 Stichworte für die Feuerwehr und 27 für den Rettungsdienst und insgesamt sind es über 600 Schlagworte, die zu diesen Stichworten führen. Ein Großteil ist aus dem Bereich der Feuerwehr, weil man da sehr differenziert. Es gibt z.B. unter Geruch den Rauchgeruch oder den Brandgeruch, da wird sehr genau unterschieden. Die Mitarbeiter der ILS waren schon zum Großteil vorher in der Leitstelle, teilweise schon seit 20 Jahren. Unerlässlich sind gute EDV-Handhabung und Sprachgewandtheit. Für besondere Positionen gibt es Auswahlverfahren z.B. für Schichtführer.

Am 9. September wurde die ILS Schweinfurt offiziell eröffnet. Vor 150 geladenen Gästen betonte Staatssekretär Gerhard Eck die Bürgerfreundlichkeit der neuen Einrichtung, da diese nun „für alle Notfälle über eine zentrale Nummer – die 112 – erreichbar ist“. Der Vorsitzende des Rettungszweckverbands Schweinfurt, Schweinfurts Landrat Harald Leitherer, bezeichnete es als wesentlichen Vorteil, dass Kompetenzen und Spezialausrüstung aus allen vier beteiligten Landkreisen und der Stadt Schweinfurt nun unter Berücksichtigung der jeweiligen Notfallsituation angefordert werden können, „ganz gleich, wo diese stationiert sind“.

Aus dem aktuellen SWmagaz.in: http://swmagaz.in/swmagaz-in-ausgabe-9-2012

Text und Bilder: Jürgen Kohl – jkohl@revista.de

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