Würzburg/Berlin: Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hinterlässt deutliche Spuren in den Unternehmen Bayerns und Mainfrankens. Laut einer aktuellen Blitzumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und der IHKs berichten 87 Prozent der bayerischen Unternehmen von negativen Auswirkungen auf ihr Geschäft. Damit liegen sie über dem gesamtdeutschen Wert von 83 Prozent.
Als gravierendste Belastung nennen 76 Prozent der betroffenen bayerischen Unternehmen gestiegene Fracht- und Transportkosten. Bundesweit liegt dieser Wert bei 73 Prozent. Auf Platz zwei folgen gestiegene Rohstoff- und Materialkosten, unter denen 60 Prozent der bayerischen Firmen leiden (bundesweit: 58 Prozent). Gestiegene Energiekosten belasten 63 Prozent der bayerischen Betriebe – etwas weniger als im bundesweiten Durchschnitt (71 Prozent). Fast die Hälfte der befragten Unternehmen in Bayern (49 Prozent) verzeichnet zudem einen Nachfrage- und Auftragsrückgang; bundesweit sind es 46 Prozent. Lieferengpässe melden 36 Prozent der bayerischen Betriebe, während acht Prozent von Liquiditätsengpässen betroffen sind.
Industrie unter besonderes hohem Druck
Der Konflikt trifft die Industrie besonders hart. In Bayern machen Industriebetriebe rund ein Drittel aller Umfrageteilnehmer aus. Die Industrie zählt bei nahezu allen Schadensdimensionen zu den am stärksten betroffenen Branchen. Unternehmen berichten von konkreten Folgen, die sie deutlich spüren: Aufträge drohen storniert zu werden, der Export in die Golfregion stockt und Lieferketten geraten in Mitleidenschaft. Für den Verkehrs- und Logistiksektor sind gestiegene Transportkosten das überragende Problem. Rund 13 Prozent der bayerischen Industrieunternehmen melden bereits konkrete Rohstoffknappheiten. Bundesweit sind es 16 Prozent. Vor allem kunststoffbasierte Vorprodukte, Chemierohstoffe, rohölbasierte Produkte, Energie- und Kraftstoffe, Elektronik und Halbleiter sowie Metalle und kritische Rohstoffe wie Aluminium, Kupfer, Stahl, Wolfram und Seltene Erden werden knapp.
Preisanpassungen und Risikomanagement als häufigste Reaktionen
Die Unternehmen in Bayern reagieren auf die veränderte Lage: Rund jede zweite Firma (51 Prozent) passt ihre Preise an. Dieser Wert entspricht dem Bundesschnitt (50 Prozent). 47 Prozent verstärken ihr Risikomanagement und ihr Monitoring (bundesweit: 43 Prozent). 41 Prozent der Unternehmen verzögern Projekte und Investitionen (bundesweit: 37 Prozent). Rund jeder vierte Betrieb (23 Prozent) erhöht seine Lagerhaltung (bundesweit: 22 Prozent).
Immerhin rund elf Prozent der bayerischen Betriebe sehen sich zu keiner Reaktion in der Lage – ein Hinweis auf die begrenzte Anpassungsfähigkeit, unter der insbesondere kleine und mittlere Unternehmen in einer angespannten Marktlage leiden. „Die Zahlen zeigen: Der Krieg im Nahen Osten ist kein fernes Ereignis. Auch die regionalen Unternehmen spüren die Auswirkungen in hohem Ausmaß. Steigende Frachtraten, teurere Energie und Rohstoffe sowie zunehmende Planungsunsicherheit belasten die Unternehmen in Mainfranken und ganz Bayern erheblich. Besonders besorgniserregend ist, dass fast die Hälfte der Betriebe bereits Auftragsrückgänge meldet“, erklärt IHK-Außenwirtschaftsexperte Kurt Treumann.
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