Haßfurt: Das 17. Kommunbrauertreffen der Haßbergbrauer 2026 in Junkersdorf bei Königsberg wurde einmal mehr zu einem eindrucksvollen Bekenntnis gelebter fränkischer Braukultur und vor allem zu einem Schaufenster dessen, was ehrenamtlicher Zusammenhalt und Leidenschaft bewegen können. Wenn in den Wintermonaten Dampf und Rauch in dichten Schwaden über inzwischen elf Ortschaften im Landkreis ziehen, dann wird in den historischen Kommunbrauhäusern der Haßberge wieder mit Herzblut gebraut. Die kalte Jahreszeit bietet ideale Bedingungen für die empfindlichen Hefen, die den Bieren ihren unverwechselbaren Charakter, Tiefe und Stärke verleihen.65 Braumeister und Brauhelfer aus der Region folgten der Einladung der Junkersdorfer Hausbrauer rund um ihren 1. Vorsitzenden Alexander Faust, um gemeinsam den wohl höchsten „Feiertag“ der Kommunbrauer zu begehen. Traditionell findet das Treffen immer am ersten Samstag nach dem Tag des Bieres am 23. April statt.
Schon bei der Führung durch das geschichtsträchtige Brauhaus aus dem Jahr 1733 wurde deutlich, worauf die Junkersdorfer mit Recht stolz sein können – auf eine lebendige und bis heute gepflegte Brautradition in einem historischen Gebäude, das seit Generationen das Herzstück des Dorflebens bildet. Mit großer Leidenschaft und viel Verbundenheit zur fränkischen Braukultur wird hier bis heute gebraut – und damit ein Stück regionaler Geschichte bewahrt und weitergeführt.„Wir brauen nicht für die Perfektion, sondern aus Leidenschaft“, lautete deshalb auch passend das Motto des Tages.
Das Junkersdorfer Brauhaus nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Es ist das einzige Kommunbrauhaus der Region, das – mit Ausnahme einer pandemiebedingten Pause – seine Brautätigkeit nachweislich durchgehend aufrechterhalten konnte. Ein Umstand, der ohne den außergewöhnlichen Zusammenhalt innerhalb des Vereins kaum denkbar gewesen wäre. Die heutige Brauanlage aus den 1870er Jahren, die nach dem Ersten Weltkrieg für Junkersdorf erworben wurde, beeindruckt noch immer mit ihrem offenen Sudkessel und dem rund drei Meter über dem Boden schwebenden Kühlschiff. Zwischen unverputzten Sandstein- und Backsteinwänden wirkt das gesamte Ensemble wie eine Zeitreise in die Ursprünge fränkischer Braukunst. Mit der historischen Darre, auf der vielleicht eines Tages wieder eigenes Grünmalz geröstet werden könnte, wäre das Brauhaus den historischen Wurzeln des Brauhandwerks näher denn je.
Dass diese Tradition weit über Junkersdorf hinaus geschätzt wird, zeigte auch die hochrangige Teilnahme aus Politik und Öffentlichkeit. Landrat Wilhelm Schneider, Bürgermeister Claus Bittenbrünn mit Ehefrauen sowie der neue Königsberger Bürgermeister Johannes Burkard nahmen als Förderer der regionalen Braukultur am Treffen teil. Für Wilhelm Schneider war es zugleich das letzte Kommunbrauertreffen in seiner Funktion als Landrat. Für seinen langjährigen Einsatz für das Brauwesen im Landkreis –wurde er von den Hausbrauern zum Ehrenmitglied ernannt. Das Treffen, so betonte Schneider, gehöre inzwischen fest zu seinem Jahreskalender.
Auch in diesem Jahr führte der Steigerwälder Biersommelier Norbert Hümmer mit viel Fachwissen, Humor und zahlreichen Geschichten rund um den Gerstensaft durch die Bierverkostung. Von alkoholfreien Bieren bis hin zu kräftigen Bockbieren präsentierten die Brauer eine beeindruckende Vielfalt regionaler Braukunst. Über die vergangenen Jahrzehnte ist in den Haßbergen eine lebendige und authentische Brautradition entstanden, die den Vergleich mit bekannten immateriellen Kulturgütern wie dem Zoigl in der Oberpfalz oder dem Bamberger Biergürtel längst nicht mehr scheuen muss. Dass dies möglich wurde, ist vor allem den vielen ehrenamtlichen Brauern, Helfern und Vereinsmitgliedern zu verdanken, die mit Leidenschaft, Idealismus und großem persönlichen Einsatz dafür sorgen, dass fränkische Braukultur nicht nur bewahrt, sondern aktiv gelebt wird.
Bild: Die Kommunenbrauer aus dem Landkreis Haßberge trafen sich in Junkersdorf bei Königsberg, um die hausgebrauten Biere zu verkosten. Foto: Moni Göhr








