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Digitales Assistenzsystem auf Tablets soll Seniorinnen und Senioren in ihrem Alltag unterstützen und Einsamkeit entgegenwirken

vom 05.03.2026 - 10:03 Uhr

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Würzburg-Schweinfurt: Ältere Menschen im Alltag unterstützen, aktivieren und sozial vernetzen: Mit diesem Ziel bereiten Studierende der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) derzeit Tablets für die Übergabe an Seniorinnen und Senioren vor. Ausgestattet sind die Geräte mit dem digitalen Assistenzsystem CAREBELLS.

Prof. Dr. Ulrich Gartzke, Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften, initiiert und leitet das aus seiner ProPere-Gründungsprofessur heraus entstandene Projekt (ProPere = professorale Personalgewinnung und -entwicklung). In enger Zusammenarbeit mit Studierenden verschiedener Fachrichtungen – von Sozialer Arbeit über Management im Gesundheitswesen bis hin zu Medienmanagement und Wirtschaftsingenieurwesen. Auch Studierende des englischsprachigen Masterstudiengangs Artificial Intelligence des Centers für KI (CAIRO) bringen ihre Expertise ein. „Viele engagieren sich ehrenamtlich zusätzlich zu ihrem regulären Studium oder im Rahmen von Projektarbeiten“, freut sich Prof. Dr. Gartzke. Zudem besteht eine enge Kooperation mit Naomi Unkelos-Shpigel, Ph.D vom Braude College of Engineering in Israel, deren Studierende die Internetplattform mitentwickelten. Finanziell gefördert wird das CAREBELLS-Projekt von der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp.

Wissenschaftlich begleitetes Praxisprojekt

In enger Kooperation mit der Seniorenvertretung Würzburg unter Leitung des ehemaligen THWS-Informatikprofessors Dr. Eberhard Grötsch sowie dem Caritasverband Würzburg Stadt und Land e. V. wird nun die nächste Projektphase gestartet: Zehn Seniorinnen und Senioren erhalten das Tablet für drei Wochen zur Nutzung in ihren eigenen vier Wänden. Die Testphase wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Zu Beginn, in der Mitte und am Ende werden Rückmeldungen erhoben, um das System weiterzuentwickeln und noch besser an die Bedürfnisse älterer Menschen anzupassen.

Digitale Unterstützung mit persönlichem Charakter

Herzstück des Systems ist „Bella“, ein digitaler Gesprächsassistent. Mit Bella können Nutzerinnen und Nutzer Alltagsgespräche führen – über Hobbys, Erinnerungen oder aktuelle Themen. Ziel ist es, Kommunikation anzuregen und Einsamkeit entgegenzuwirken. Darüber hinaus bietet CAREBELLS:

  • einen sprachgesteuerten Kalender mit Erinnerungsfunktion zur Alltagsstrukturierung
  • eine besonders benutzerfreundliche Videokonferenzfunktion zum Austausch mit anderen Seniorinnen und Senioren
  • einfache, seniorengerechte Spiele
  • Videos für ein positives, auf ältere Menschen abgestimmtes Energietraining
  • täglich ausgewählte, regionale Nachrichten in Kooperation mit der MainPost, die vorgelesen und gemeinsam besprochen werden können.

Die Benutzeroberfläche wurde bewusst einfach und übersichtlich gestaltet. Große Schaltflächen, klare Spracheingaben und eine reduzierte Menüführung sollen Hemmschwellen abbauen.

Datenschutz und Ethik als zentrale Leitlinien

Besonderes Augenmerk legt das Projektteam auf die Einhaltung ethischer und datenschutzrechtlicher Rahmenbedingungen. „Persönliche Daten werden auf ein Minimum reduziert; im System genügt die Angabe eines Vornamens oder Pseudonyms. Das Tablet kann jederzeit vollständig ausgeschaltet werden“, erklärt Prof. Dr. Gartzke. Die wissenschaftliche Begleitung orientiert sich an den geltenden Datenschutzbestimmungen, insbesondere der Datenschutz-Grundverordnung. Transparenz, Freiwilligkeit und die Möglichkeit, die Teilnahme jederzeit zu beenden, sind zentrale Prinzipien des Projekts.

Auch für den Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Würzburg e. V. sei die Kooperation ein Mehrwert. Mirjam Gawenda, Fachbereichsleitung Soziale Arbeit, erläutert: „Als Caritas arbeiten wir jeden Tag mit vielen Seniorinnen und Senioren. Es ist unser Auftrag, etwas gegen Einsamkeit zu tun – besonders im Aktiven Begegnungszentrum Heiligenkreuz in Würzburg. Dort stärken wir Gemeinschaft und unterstützen Menschen vor Ort.“ Gleichzeitig sehe der Caritasverband in digitalen Angeboten eine gute Ergänzung. Neue Technologien können helfen, eine Brücke in die analoge Welt zu bauen – als Chance, Kontakte zu fördern und Teilhabe zu ermöglichen, so Mirijam Gawenda. „Deshalb freuen wir uns, das CAREBELLS-Projekt mit unserer Expertise in der Seniorenarbeit zu unterstützen.“

Interdisziplinäre Lehre trifft gesellschaftliche Verantwortung

CAREBELLS steht beispielhaft für den Transfer von Forschung und Lehre in die Region. Studierende arbeiten interdisziplinär zusammen, übernehmen Verantwortung und erleben, wie digitale Innovation konkret gesellschaftliche Herausforderungen adressieren kann. Mit dem nun startenden Praxistest wird ein weiterer Schritt hin zu einer niedrigschwelligen, alltagstauglichen digitalen Unterstützung für ältere Menschen gemacht – entwickelt an der THWS, gemeinsam mit der Region und für die Region.

(V. li.) THWS-Studierende verschiedener Fachrichtungen im Gespräch mit Prof. Dr. Ulrich Gartzke (hinten links), Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften, sowie dem Vorsitzenden der Seniorenvertretung Würzburg Prof. Eberhard Grötsch (hinten rechts) (Foto: THWS/Nadja Schaefer)

Der Vorsitzende der Seniorenvertretung Würzburg Prof. Eberhard Grötsch (li.) freut sich mit Prof. Dr. Ulrich Gartzke, Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften, über das Gemeinschaftsprojekt CAREBELLS (Foto: THWS/Nadja Schaefer)

Titelbild: (V. li.) Ehemaliger THWS-Prof. Eberhard Grötsch, Bhuvaha Chandra Thota, Harshith Babu Prakash Babu, Zahir Hussain, Lavanya Nagaraj (vorne), Shehariyar Firdous Shaikh, Zoe Kappes (hinten), Rachitha Chandra Bhanu (vorne) und Prof. Dr. Ulrich Gartzke (Foto: THWS/Nadja Schaefer)

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