Schweinfurt: Auf zum Volksfest – auch in diesem Jahr haben sich Studierende der Bachelorstudiengänge Maschinenbau und Mechatronik der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) aufgemacht, um die Mechanik und Elektronik der Fahrgeschäfte des Schweinfurter Volksfests näher kennenzulernen. Begleitet wurden sie von Andrea Reppert, die bei der Stadt Schweinfurt für die Organisation des Volksfests zuständig ist, sowie Prof. Dr. Stefan Schreiber von der Fakultät Maschinenbau der THWS. Eine Besonderheit: In diesem Jahr war der 80-jährige Prof. Dr. Herbert Wiener mit von der Partie – er hatte vor rund 20 Jahren die Volksfest-Rundgänge ins Leben gerufen.
An der ersten Station präsentiert Juniorchef Jamie Fackler das Fahrgeschäft „Evolution“, in welchem Fahrgäste mit einer Maximalgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern um eine Achse geschwungen werden und am Scheitelpunkt auf 66 Metern Höhe auf Schweinfurt hinunterschauen. Die Elemente des „Evolution“ ruhen auf vier Transportern, die direkt an Ort und Stelle geparkt werden und mit Hilfe von hydraulischen Laufsystemen zentimetergenau ausgerichtet werden können. Dadurch ist für den Aufbau der Hauptbestandteile des Karussells kein Kran nötig; stattdessen kommen Seilzüge zum Einsatz, die bis zu 36 Tonnen bewegen können. Insgesamt dauert der Aufbau zehn bis zwölf Stunden. Für den Notfall geht aber nichts über Handarbeit – so kommt bei einem Stromausfall eine manuelle Evakuierungspumpe zum Einsatz, um die Fahrgastschaukel wieder auf den Boden zu befördern: „Wir können das Karussell innerhalb von vier Minuten evakuieren“, erzählt Jamie Fackler von einem Testlauf. „Da waren wir voll beladen.“ Gut zu wissen: „Auch bei einem Stromausfall können alle Sitze einzeln geöffnet werden.“

Der „Air Control Booster“ in voller Fahrt – mit einer maximalen Beschleunigung von 4g inklusive (Foto: THWS/Eva Kaupp)
Deutlich länger dauert der Aufbau des „Air Control Booster“ – inklusive eines Krans: Auch mit engagierten Leuten könne es eineinhalb bis zwei Tage dauern, sagte Vorarbeiter Marcus Velten. Der Abbau ist mit rund zehn Stunden dagegen viel schneller. Der „Booster“ ist bereits 32 Jahre alt und aktuell werden alle Teile der Reihe nach ausgetauscht: „Wir pflegen das richtig, da kann es nochmal 32 Jahre halten.“ Die Choreografie ist bei jeder Fahrt anders, da sie manuell gesteuert wird – aber die Beschleunigung von 4g (d. h. die vierfache Erdbeschleunigung) bekommen alle Fahrgäste zu spüren. Eine 70 Kilogramm schwere Person wird also mit einer Gewichtskraft von rund 2800 Newton anstatt der normalen 700 Newton in den Sitz gedrückt. Theoretisch kann man durch die Umverteilung des Bluts im Körper ohnmächtig werden, was laut Marcus Velten auch schon vorgekommen sei. „Aber sonst macht es ja keinen Spaß“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Sonst kann man ja auch Kinderkarussell fahren.“

Der „Air Control Booster“ in voller Fahrt – mit einer maximalen Beschleunigung von 4g inklusive (Foto: THWS/Eva Kaupp)

Einblick in die Steuerungskabine des „Avenger“: Besitzer Rudolf Kollmann zeigt den THWS-Studierenden die aufwändige Software-Steuerung (Foto: THWS/Eva Kaupp)
Titelbild: Gemeinsamer Rundgang über das Schweinfurter Volksfest: Andrea Reppert (li.) von der Stadt Schweinfurt, Philipp Hofmann von der Werbegemeinschaft der Schausteller (4. v. re.) und die THWS-Gruppe (Foto: THWS/Eva Kaupp)








