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„Wer Gutes bekommt, sollte auch Gutes weitergeben“

vom 11.05.2026 - 11:05 Uhr

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Kareem Aldbiyat flüchtete aus Syrien und begann in Haßfurt ein neues Leben 

Haßfurt: Kareem Aldbiyat wurde am 31. Januar 1989 in Syrien geboren. Er stammt aus einer gebildeten Familie: Sein Vater war Generalmajor außer Dienst in der Armee, seine Mutter Anwältin. Gemeinsam mit seinen zwei Geschwistern wuchs er in sicheren und guten Verhältnissen auf. Sein älterer Bruder besuchte ein Hotelinstitut, während seine Schwester Jura studierte. Familie bedeutete für Kareem schon immer Sicherheit und Zusammenhalt. Nach dem Abitur begann Kareem ein Studium der Internationalen Beziehungen und Diplomatie an einer privaten Universität in Damaskus. 2012 schloss er sein Studium erfolgreich ab. Doch schon während seiner Studienzeit veränderte der Krieg in Syrien das Leben der Menschen grundlegend.

Als der Krieg 2011 begann, stand Kareem vor einer schweren Entscheidung. Er wollte nicht zum Militär und sich nicht am Krieg beteiligen. „Ich bin ein friedlicher Mensch“, sagt er heute. „Ich konnte mir nicht vorstellen, Menschen zu töten Freunde, Bekannte oder andere Menschen.“ Auch seine Familie lehnte den Krieg ab. Seine Mutter setzte sich als Anwältin sogar kostenlos für Gefangene in syrischen Gefängnissen ein, weil sie überzeugt war, dass viele von ihnen nichts mit dem Krieg zu tun hatten.

Als die Situation immer gefährlicher wurde, floh Kareem 2015 zunächst nach Beirut und später in die Türkei. Von dort aus wagte er die gefährliche Überfahrt mit dem Schlauchboot nach Griechenland. Mehrmals scheiterte seine Flucht, bis er schließlich Erfolg hatte. Besonders ein Moment hat sich tief in seine Erinnerung eingebrannt: Der erste Tag in Griechenland war das Fest des Fastenbrechens – Eid al-Fitr. Es war das erste Fest seines Lebens fernab der Familie.

Mit Hilfe der Balkanroute erreichte Kareem schließlich am 9. September 2015 Deutschland. Nach mehreren Stationen kam er nach Haßfurt ein Ort, der für ihn zu einem neuen Zuhause werden sollte. Die ersten Monate waren schwierig. Kareem fühlte sich einsam und fremd. Doch dann begegnete er Siza Zaby, die sich im Landkreis um Geflüchtete kümmerte. Sie fragte die Neuankömmlinge nach ihren Fähigkeiten, ihren Studienabschlüssen und ihren Wünschen für die Zukunft in Deutschland. Durch sie begann Kareem, sich ehrenamtlich einzubringen. Er arbeitete als Dolmetscher für Arabisch und Englisch bei Behörden, Ärzten und in vielen Alltagssituationen. Damals gab es noch keine regulären Integrationssprachkurse. Deshalb organisierte Siza Zaby freiwillige Deutschkurse mit ehrenamtlichen Lehrkräften. Kareem lernte die Sprache zunächst auf informellem Weg und verbesserte seine Deutschkenntnisse durch seine freiwillige Arbeit und den täglichen Kontakt mit Menschen. Später absolvierte er reguläre Sprachkurse und erreichte das Sprachkenntnisse Niveau B1.Sein syrischer Hochschulabschluss konnte in Deutschland nicht anerkannt werden. Dennoch gab er nicht auf und suchte sich einen neuen beruflichen Weg. Von 2017 bis 2019 machte Kareem eine Ausbildung zum Kinderpfleger. Danach absolvierte er auch seine Ausbildung als Security. Anschließend arbeitete er in verschiedenen Kindergärten und als Schulbegleiter. 

Besonders wichtig war für Kareem die Begegnung mit den Menschen in Deutschland. Aus anfänglicher Einsamkeit entstanden Freundschaften. Viele Deutsche wurden für ihn wie eine zweite Familie. „Sie haben sich mit mir gefreut, mich in schwierigen Zeiten unterstützt und gehören heute fest zu meinem Leben“, erzählt er. Die hauptamtliche Integrationslotsin Siza Zaby wurde für ihn, und auch für viele andere Geflüchtete im Landkreis Haßberge, zu einer Art Ersatzmutter. Sie gab den Menschen nicht nur organisatorische Hilfe, sondern auch menschliche Wärme, Unterstützung und das Gefühl, nicht allein zu sein.

Heute lebt Kareem ein ruhiges und integriertes Leben. Er arbeitet in Bamberg als Security in einer Gemeinschaftsunterkunft hat viele soziale Kontakte und eine deutsche Partnerin. Gleichzeitig hält er an seinen arabischen Werten und Traditionen fest. Für ihn schließen sich Integration und eigene Wurzeln nicht aus. Im Jahr 2023 erhielt Kareem die deutsche Staatsbürgerschaft. Deutschland bezeichnet er heute als seine „zweite Heimat“. Deshalb versucht er heute auch, etwas zurückzugeben als ehrenamtlicher Helfer, Unterstützer und Mensch, der anderen beisteht. Für Kareem ist Dankbarkeit keine leere Worthülse, sondern eine Haltung: Wer Hilfe und Gutes erfahren hat, sollte mit der Zeit auch selbst Gutes weitergeben. Sein persönliches Motto lautet: „Wer Gutes bekommt, sollte auch Gutes weitergeben.“

Bild: Kareem Aldbiyat hat in Deutschland mittlerweile viele Freundschaften geknüpft und fühlt sich ins seiner „zweiten Heimat“ wohl. Foto: Siza Zaby

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