Schwebheim: „In Schwaam is gut laam“, sagen die Bewohner und diese mundartliche Ortbezeichnung führt zur eigentlichen Bedeutung des Ortsnamens.
Der nämlich bedeutet „Heim bei der Schwebe“, in der Nähe eines Moorbodens, der sich unter den Füßen hebt und senkt.
Nachzulesen sind solcherlei Erkenntnisse im neuen Buch, das der Ortsgeschichtliche Arbeitskreises herausgegeben hat. Die Bedeutung des Ortsnamens bildet den Auftakt zu einer außergewöhnlichen Reise in die Geschichte Schwebheims. „Straßennamen erzählen Geschichte“, so der Titel und alle 78 Straßen der Ortschaft sind darin aufgelistet und deren Bedeutung erklärt. Annemarie Lunkenbein, Hanne Peetz, Hedi Seifert, Fritz Roßteuscher und Hans Fischer haben sich 2008 auf die Spur der Straßennamen begeben. Nach dem Erfolg der Vortragsreihe, die hieraus entstand, kam jetzt das Buch auf den Markt.
Vorsitzender Günther Birkle hat die Vorträge der Autoren bearbeitet und aufbereitet. Viele andere haben noch mit Hand angelegt. Hanne Boll bei den Schreibarbeiten, Ekkehard Klement, Richard Ludwig, Manfred Maier und Wilhelm Peter bei der Korrektur und Manfred Dütschke in der Gestaltung. Entstanden ist ein kleines Büchlein voll von Wissenswertem über die lokale, regionale und deutsche Geschichte.
Finanziell unterstützt hat diese Entstehung die Stiftung der ehemaligen Kreissparkasse Schweinfurt mit 2.000 Euro sowie die politische Gemeinde mit 500 Euro. Der Erlös aus dem Verkauf des Büchleins, es kostet fünf Euro, fließt wieder der Arbeit des Ortsgeschichtlichen Arbeitskreises zu. Diese lobten Bürgermeister Hans Fischer und Landrat Harald Leitherer in großer Einigkeit.
Reich bebildert und gut zu lesen gibt es Einblick in das Ortsgeschehen. Wer beispielsweise war Lucretia Wilhelmine von Bibra und was hat sie getan, dass ihr gleich zwei Straßen im Ort gewidmet wurden? Was hat es mit der Hadergasse auf sich? Wurde hier gerne gestritten oder wohnten dort früher lauter Haderlumpen oder ist es einfach nur die Straße, die zu einer Flur namens „Hader“ führte? Da ist die Bezeichnung vom Judenhof schon durchsichtiger, hier lebten seit dem 17. Jahrhundert die Schwebheimer Juden.
Nicht lange rätseln muss man auch bei Namen wie Industriestraße oder Gochsheimer Weg, die nach ihrer Funktion benannt sind. Auch die nach Blumen oder Bäumen benannten Straßen geben kaum Rätsel auf, den „Kräuterstraßen“ widmet das Buch ebenfalls eigene kleine Kapitel. Hier wird nicht nur ihre Anbaugeschichte im Apothekergärtlein Frankens beschrieben, sondern auch gleich ihre Wirkung: Angelika oder Engelwurz bei Verdauungsbeschwerden, Baldrian bei Unruhezuständen oder Eibisch bei Erkrankungen der Atemwege.
Großen Konstrukteuren und Industriellen setzte die Gemeinde im Gewerbegebiet Klößberg ein „Straßennamen-Denkmal“; Gottfried Daimler und Rudolf Diesel sind hier zu finden. Im Buch sind sie abgebildet und ihre Geschichte ist in Kurzform beschrieben. Die Kurzbiographie von Menschen, die für Schwebheim wichtig waren, reicht von Heinrich von Bibra, der im 16. Jahrhundert lebte, bis hin zum Ärzteehepaar Dres. Wallrapp, die bis 1986 als Ärzte und bis Ende des 20. Jahrhundert in vielen Bereichen ehrenamtlich in der Gemeinde wirkten.
„Straßennamen erzählen Geschichten“ gibt einen umfassenden und dennoch kurzen Einblick in die Schwebheimer Geschichte, ohne den nicht so geschichtlich interessierten Leser mit allzu viel Details zu überfordern. Das Buch für Alteingesessene, Neubürger und Auswärtige gibt es bei Hedi Seifert, Am Fuchsbau 5, Günther Birkle, Frauenschuhweg 9, und im Rathaus der Gemeinde.
Ursula Lux































