Bad Kissingen: Am 30. Mai 1953 trotzten die Bad Kissinger dem Regen – und werteten die plötzlichen Sonnenstrahlen beim Richtfest des Terrassenschwimmbads als gutes Omen. Mehr als 70 Jahre später wiederholte sich die Szene: Hagel, Regen und Kälte bestimmten den Morgen der Schwimmbad-Wiedereröffnung am 15. Mai 2026, ehe pünktlich zum Festakt die Sonne durchbrach. Für viele ein symbolischer Moment: Das sanierte Freibad am Finsterberg ist zurück im Leben der Stadt.
Sanierung im Zeit- und Kostenrahmen
Das Terrassenschwimmbad ist tief in Bad Kissingens Stadtgeschichte verankert. Vor 73 Jahren entstand es mit Unterstützung der US-Amerikaner und einem Bau-Etat von 1,2 Millionen Mark – als Antwort auf den Mangel an modernen Bademöglichkeiten „da unten“, wie Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel an die Anfänge erinnerte. Dass in Bad Kissingen über die Bädersituation geklagt werde, gehöre „scheinbar ein Stück weit zur Kissinger DNA“, bemerkte Dr. Vogel schmunzelnd.
Zuletzt war der Sanierungsbedarf am Terrassenbad unübersehbar: veraltete Technik, ein 2023 statisch auffälliger Sprungturm und immer aufwendigere Reparaturen an den Becken. Nachdem bereits zwischen 2017 und 2019 der Nichtschwimmerbereich erneuert worden war, folgte von 2024 bis 2026 die grundlegende Modernisierung des restlichen Areals – vom Sprungturm über das Eingangsgebäude bis hin zu Schwimmerbecken und Technik. Rund acht Millionen Euro investierte die Stadt unter anderem gemeinsam mit Bund und Freistaat Bayern in den zweiten Bauabschnitt. Zeit- und Kostenrahmen wurden eingehalten.
Warum Schwimmbäder städtische Pflichtaufgabe sein sollten
Zugleich machte Vogel in seiner Rede deutlich, warum die Stadt trotz hoher Kosten am Terrassenschwimmbad festhält. Schwimmbäder gelten bislang als kommunale „Luxusaufgabe“ – für ihn jedoch ist das Freibad ein Luxus für alle und ein Ort der gesellschaftlichen Zusammenkunft aller Schichten. Und ergänzte einen Satz, der an diesem Nachmittag hängen blieb: „In der Badehose sehen wir alle gleich aus.“
Gerade Familien und Menschen, die sich keinen teuren Urlaub oder Flugreisen leisten könnten, bräuchten Orte wie diesen. Der Oberbürgermeister appellierte an Bund und Länder, Schwimmbäder künftig als Pflichtaufgabe anzuerkennen. Die Stadt halte bewusst an bezahlbaren Eintrittspreisen fest, indem sie allein den Unterhalt des Bads jährlich mit rund 800.000 Euro aus dem städtischen Haushalt bezuschusse.
Elegante Kunstsprünge und spektakuläre Splashdives
Begleitet von Fanfaren des städtischen Jugendmusikkorps eröffnete Turmspringer Rainhard Riede das sanierte Bad mit einem gestreckten Handstandsalto aus zehn Metern Höhe. Moderator Marcus Lipsius sprach anschließend mit Hochbauleiter Stephan Scharf über Technik und Sanierung. Taucher des „Tauchclubs Nixe Bad Kissingen“ holten symbolisch ein Banner und einen Rettungsring mit der Aufschrift „Wiedereröffnung“ aus dem Sprungbecken. Danach spendeten Pfarrer Gerd Greier und Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk den Segen für das frisch sanierte Bad.
Einer der spektakulärsten Momente der Wiedereröffnung spielte sich hoch über dem Sprungbecken ab. Neben den Wasserspringern des Nürnberger Schwimmerbunds Bayern 07 standen auch die Splash-Diver von „ATV Frankonia“ sowie der bekannte YouTuber und Splashdiver Rainhard Riede auf dem Zehnmeterturm. Es folgte eine Mischung aus klassischen Kunstsprüngen und Showelementen: Vorwärts- und Rückwärtssaltos, Auerbach- und Delfinsprünge sowie synchron gesprungene „Abfaller“. Auch ein „Wurfstecher“, bei dem ein Springer seinen Partner in die Höhe hebt und beide gemeinsam ins Wasser eintauchen, gehörte zum Programm.
Besonders die Splashdiver begeisterten das Publikum: Statt spritzfreiem Eintauchen wie im Kunstspringen geht es hier um möglichst große Wasserfontänen und spektakuläre Einschläge. Ein Höhepunkt zum Schluss war der Show-Sprung „die Hose“, bei dem sich der Springer mit einer langen Stoffbahn vom Turm stürzte, die sich wie ein Kometenschweif hinter ihm entfaltete.
Das Schwimmbad als Ort gelebter Geschichte
Wie tief das Terrassenschwimmbad in der Erinnerung vieler Bad Kissinger verankert ist, zeigten persönliche Geschichten der Gäste. Hannelore Mainberger erinnerte sich an ihre Jugend auf der legendären „Ami-Wiese“, wo einst der Grundstein für ihre Ehe gelegt wurde. Sie feiert in Bälde Eiserne Hochzeit. Rosenkönigin Laura Pfülb bezeichnete das Bad als „Juwel“ und „Wohlfühlort“, ihre Tochter Tamina träumt vom Backflip vom Zehnmeterturm. Der langjährige Pächter Artur Bömmel blickte mit einem Augenzwinkern auf 43 Jahre Kiosk- und Weizenturm-Gastronomie zurück.
So wurde bei der Wiedereröffnung deutlich: Das Terrassenschwimmbad ist weit mehr als ein Freizeitort. Es ist Treffpunkt, Erinnerungsort und ein Stück Bad Kissinger Identität. Oder, wie Vogel es formulierte: „Unser Terrassenschwimmbad ist weit mehr als nur ein Ort zum Schwimmen. Es ist ein Ort gelebter Geschichte – für viele vergangene und hoffentlich auch viele kommende Generationen.“
Bild: Taucher des Tauchclubs Nixe holten aus dem Sprungbecken symbolisch einen Rettungsring mit der Aufschrift „Wiedereröffnung“ nach oben.
Foto Julia Milberger.








