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Stammschäden an Obstbäumen geben Rätsel auf

Landkreis Schweinfurt: Der Stamm ist nicht nur für die Statik eines Baumes verantwortlich, sondern ist auch seine Hauptschlagader. Ist er verletzt oder geschädigt, ist auch das Leben des Baumes gefährdet. Die Kreisfachberaterin für Gartenkultur im Landratsamt Schweinfurt Brigitte Goss verweist auf zunehmende Rindenschäden an Obstbäumen und gibt Rat, wie man die Bäume schützen kann.

Nach altem Gärtnerwissen bestand Stammschutz an Obstbäumen bisher aus einem Stammanstrich im ausgehenden Winter, um den Baum vor Frostrissen zu schützen. Ende Januar bis in den März hinein kann die Sonne nach sehr kalten Nächten mit darauf folgendem sonnigem Tag den Stamm einseitig derart aufheizen, dass dies zu Rissen im Stamm führen kann. Doch diese Tage gibt es in den letzten Jahren immer weniger und stellt eigentlich keine Gefahr mehr für die Bäume dar.

Hitze geht den Bäumen buchstäblich unter die Haut
Heute ist der Sommer das Problem, denn die Hitze geht den Bäumen buchstäblich unter die Haut. Das ist physikalisch einfach zu erklären: Dunkle Flächen heizen sich in der Sonne stark auf. Die dort erreichten Temperaturen können die Lufttemperatur weit übersteigen. Das gilt auch für Stämme und Äste der Bäume, die durch das Laub nicht beschattet werden. An Tagen mit etwa 40 °C Lufttemperatur kann die Temperatur an den Stämmen 50 °C und mehr erreichen.

Direkt unter der Rinde sitzt jedoch das empfindliche Wachstumsgewebe, das bei diesen Temperaturen abstirbt. Es handelt sich dann um die sogenannten Sonnennekrosen. Für die Kreisfachberaterin gibt es noch ein weiteres Problem: wenn es nach langer Trockenheit im Sommer ab Ende August kräftig regnet und die Bäume plötzlich nach wochenlangen, durstigen Zeiten mit viel Wasser versorgt werden, kann es zu Spannungen in den schon ausgehärteten Leitungsbahnen kommen. Risse sind hier vorprogrammiert, die dann ideale Eintrittspforten für pilzliche Erreger darstellen.

Rindenbrand aufgrund der Wetterextreme auch bei uns ein Problem
Wird ein Baum befallen, ist es meist schwierig, den tatsächlichen Erreger zu bestimmen. Es kann sich um den Obstbaumkrebs (Nectia), den schwarzen Rindenkrebs (Phomopsis) oder neuerdings um den Rindenbrand (Diplodia) handeln. Der Rindenbrand war vor 20 Jahren noch relativ unbekannt, steht aber als Gewinner der Wetterextreme zunehmend im Fokus und könnte nun auch Obstbäume im nördlichen Landkreis Schweinfurt befallen haben. Erste Anzeichen der Diplodia-Krankheit sind eingesunkene vertikale Einsenkungen der Rinde (Foto). Typisch für diesen Pilz sind die rußartigen schwarzen Verfärbungen der Rinde. In erster Linie sind Apfelbäume betroffen. Ist der Baum durch Hitze, schlechte Nährstoffversorgung oder Trockenheit geschwächt, kann er dem Pilz nichts entgegen setzen. Während sich vitale Pflanzen gegen den Angriff des Pilzes wehren können.

Mit wenigen Maßnahmen ist jeder Garten- und Obstwiesenbesitzer in der Lage die Bäume zu unterstützen, um gesund zu bleiben. Junge Obst- aber auch Hausbäume, die nicht mit ihrer Krone den Stamm beschatten, brauchen im Sommer einen Stammschutz beziehungsweise einen Sonnenschutz. Mit einem Weißanstrich wird das Sonnenlicht reflektiert und somit die Erwärmungsrate verringert. (Foto) Der klassische Kalkanstrich der Stämme blättert zwar innerhalb weniger Wochen oder nach Starkregen wieder ab, ist aber absolut umweltfreundlich.

Schon ein angelehntes Brett an der Südseite des Stammes kann helfen
Hier ist ein Tipp eines erfahrenen Pflanzenschutzberaters hilfreich: Wer viele Bäume besitzt, kann eine Lösung aus 6% Weißkalkhydrat (Baustoffhandel) einfach mit der Rückspritze auf die Stämme aufsprühen. Alternativ kann der Baum auch mit Kokosmatten oder Bastmatten umwickelt werden. Diese Matten sollten zwei bis dreimal im Jahr auf Schadorganismen, die sich darin oder dahinter verstecken, kontrolliert werden. Eine schnelle Schattierung bietet auch ein angelehntes Brett an der Südseite des Stammes.

Um den Baum zu entlasten, sollte mit einer Baumscheibe der Bewuchs freigehalten werden. Die Widerstandskraft des Baumes wird durch eine passende Nährstoff- und Wasserversorgung gestärkt. Vor einer Düngung ist allerdings eine Nährstoffanalyse des Bodens unerlässlich. Nach dem Juli sollten Gehölze generell nicht mehr gedüngt werden, da sie sich dann im sogenannten Triebabschluss befinden und sich auf den Winter vorbereiten.

Foto: Landratsamt Schweinfurt, Brigitte Goss

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