Schweinfurt: Rund 20 Jahre führte Norbert Völkl den Vorsitz im Betriebsrat der Schweinfurter SKF GmbH. Bei den jüngsten Wahlen trat er nicht mehr an. Vergangene Woche nahm er seinen Abschied vom Unternehmen und übergab den Staffelstab an Sebastian Witzel.
Es war exakt 15:19 Uhr am 11. März 2026, als Norbert Völkl zum letzten Mal die so oft zuvor gesprochenen Worte sagte: „Ich erkläre die Betriebsversammlung für geschlossen.“ Dieses Mal jedoch standen davor zwei weitere Sätze: „It’s time to say goodbye. Ich wünsche Euch alles, alles Gute!“ Es war sein letzter Bühnenauftritt vor der SKF-Belegschaft, ein bewegender Abschied, bei dem es gleich zweimal minutenlang stehenden Applaus für den scheidenden Betriebsratschef gab, der „seine SKF“ im Verbund mit seinen Kollegen nicht nur in den letzten Jahren durch zuweilen bewegte Zeiten mitgesteuert hat.
Am 1. September 1980 begann Norbert Völkl im Unternehmen eine Ausbildung zum Maschinenschlosser, bildete sich zum Industriemeister weiter, war früh schon in der IG Metall aktiv und erst Jugendvertreter, später dann Mitglied des Betriebsrats, wo er 2006 den Vorsitz übernahm. Es waren bewegte Zeiten, als der Standort Schweinfurt einerseits die Fertigung kleiner Kegelrollenlager abgeben musste, andererseits zum Großlagerzentrum des SKF-Konzerns ausgebaut wurde und in einer Phase guter Konjunktur auf zwischenzeitlich 4.700 Beschäftigte zulegte. Es folgte die Finanz- und Wirtschaftskrise, später Corona, Lieferkettenverwerfungen und der Ukrainekrieg.
Von der Belegschaft wird Norbert Völkl hoch angerechnet, dass er keine Windmühlenkämpfe ausfocht, sondern in jeder Situation konkrete und immer gute Verhandlungsergebnisse für die Beschäftigten erzielte. Dies Gelang bei der Umstellung der alten Betriebsrente auf eine kapitalmarktbasierte betriebliche Altersvorsorge, bei der das Unternehmen unabhängig von der Kursentwicklung die Einlagen absichert, ebenso wie bei der erst 2025 verlängerten Beschäftigungssicherung, die am Standort Schweinfurt derzeit bis Ende 2029 läuft. Und auch für die Personalanpassungsmaßnahmen der letzten, von der Standorttransformation geprägten Jahre, konnte Norbert Völkl gute Konditionen für spezielle Altersteilzeitprogramme aushandeln.
Seinem Nachfolger Sebastian Witzel, der die letzten Jahre als Stellvertreter bei allen Verhandlungsrunden an seiner Seite war, übergibt Norbert Völkl einen Standort mit derzeit knapp 3.000 Beschäftigten, der sich gleichzeitig wieder wettbewerbsfähiger aufgestellt hat und in eine gute Zukunft blickt – vorausgesetzt, die Auswirkungen der neuen internationalen Konflikte auf die Weltkonjunktur bleiben beherrschbar.
Den bewegenden Abschied von Norbert Völkl bei dessen letzter Betriebsversammlung erlebten auch Vertreter des Weltbetriebsrats mit – allen voran dessen Vorsitzender Zarko Djurovic – sowie natürlich die Geschäftsführung der SKF GmbH mit Deutschland-Chef Jörg Wuttke, Arbeitsdirektorin Anna Krimmel und dem Geschäftsführer Finanzen, Thomas Burkhardt. Als „besonnen und ruhig, gleichzeitig unfassbaren Strategen“, würdigte Jörg Wuttke den scheidenden Betriebsratsvorsitzenden. „Du hast uns mit Deiner Erfahrung bei vielen Entscheidungen nochmal zum Nachdenken gebracht. Das war gut.“ Anna Krimmel betonte, dass „die vertrauensvolle Zusammenarbeit auch mit der neuen Betriebsratsspitze unverändert fortgeführt“ werden soll. Und auch Thomas Burkhardt erinnerte an die vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der Entwicklung des neuen Betriebsrentensystems, als Norbert Völkl zusätzliche Expertise aus der IG Metall in die Verhandlungen eingebracht hatte: „So ist ein System entstanden, das auch in schwierigen Zeiten gut trägt.“
Den Abend nach der Betriebsversammlung verbrachte Norbert Völkl gemeinsam mit zahlreichen Weggefährten – darunter Überraschungsgästen aus früheren Zeiten – bei einer würdevollen Abschiedsfeier. Von seinen Betriebsratskollegen erhielt er als bleibende Erinnerung an seine Zeit bei SKF das Rednerpult, an dem er oft stundenlang seine Sicht der Dinge zu aktuellen Entwicklungen im Unternehmen dargelegt hat – während Tausende Kolleginnen und Kollegen gebannt an seinen Lippen hingen.
Der alte und der neue Betriebsratsvorsitzende beim Handshake vor der Belegschaft: Norbert Völkl (links) und Sebastian Witzel.
Foto: Holger Laschka








