Bayern: Wie viel Platz brauchen Bäume, um stabil zu wachsen? Und welchen Beitrag leisten gezielte Durchforstungen zu gesunden und widerstandsfähigen Wäldern?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich Forstexperten der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) gemeinsam mit Vertretern des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck (AELF) sowie des Forstbetriebs Landsberg der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) bei einer Exkursion zur Versuchsfläche nahe Fürstenfeldbruck.
Frühe Durchforstungen stärken Stabilität
Die Versuchsfläche bei Althengenberg liegt im Staatswald und wird wissenschaftlich von der LWF betreut.
Hier wird seit vielen Jahren untersucht, wie sich unterschiedliche Pflanzdichten und Durchforstungen auf das Wachstum der Fichten auswirken.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Wenn Bäume frühzeitig gezielt ausgewählt und ihre Konkurrenten entnommen werden oder mit genügend Abstand gepflanzt werden, entwickeln sie sich stabiler und erreichen schneller größere Durchmesser.
Diese besonders geförderten Bäume nennt man Zukunftsbäume oder kurz „Z-Bäume“.
Sie sind vital, standfest und liefern hochwertiges Holz. Gleichzeitig leistet der Bestand einen hohen Gesamtzuwachs.
Rechtzeitige Durchforstungen können zudem die Umtriebszeit verkürzen – also die Zeitspanne, bis ein Bestand hiebsreif ist und geerntet werden kann.
Das eröffnet Waldbesitzenden zusätzliche wirtschaftliche Spielräume.
Eine reine Niederdurchforstung hingegen – bei der vor allem unterständige oder schwächere Bäume entnommen werden, die kaum am Kronendach mitwirken – bringt für die stärksten Bäume im Bestand nur geringe Vorteile.
Entscheidend ist, gezielt Raum für die leistungsfähigsten Bäume zu schaffen.
„Gezielte und frühzeitige Durchforstungen sind ein Schlüssel für stabile, zukunftsfähige Wälder“, betont LWF Präsident Dr. Peter Pröbstle.
„Langfristige Versuche liefern dafür die entscheidende Wissensgrundlage.“
Forschung, Beratung und Praxis ziehen an einem Strang
Die Versuchsfläche ist Teil des „Ertragskundlichen Versuchsflächennetzes Bayern“.
Dieses Netzwerk besteht seit über 150 Jahren und umfasst heute 157 Versuchsstandorte mit rund 1.400 Versuchsparzellen in ganz Bayern.
Die meisten Flächen liegen im Staatswald. Die LWF koordiniert und betreut dieses weltweit einzigartige Netz.
Seit seinem Bestehen hat das Versuchsflächennetz eine Vielzahl von Erkenntnissen erbracht und Gesetzmäßigkeiten aufgedeckt.
Die langfristigen Daten sind eine wichtige Grundlage für den Waldumbau im Klimawandel.
Die Bayerischen Staatsforsten setzen viele dieser Erkenntnisse im Staatswald praktisch um.
„Die richtigen Bäume gezielt zu fördern, zahlt sich ökologisch und wirtschaftlich aus“, so Robert Bocksberger, Forstbetriebsleiter des BaySF-Forstbetriebs Landsberg.
Für den Privat- und Körperschaftswald übernimmt die Forstverwaltung die Beratung.
„Unser Ziel ist, dass das Wissen aus der Forschung auch über die Beratung direkt zum Waldbesitzer kommt“, erklärt Marc Koch, Bereichsleiter Forsten am AELF Fürstenfeldbruck.
Gemeinsam zeigen Forschung, Beratung und Praxis: Wer frühzeitig gezielt pflegt, schafft stabile Wälder – und legt damit die Grundlage für eine sichere Zukunft unserer Wälder im Klimawandel
Symbolbild: Image by Pixabay








