Schweinfurt: Bayern war über viele Jahre Vorreiter in Sachen Naturschutz. Unter anderem als Folge des Volksbegehrens Artenvielfalt – „Rettet die Bienen!“ hat sich der Freistaat ehrgeizige Ziele gesetzt, beispielsweise beim Schutz von Streuobstwiesen, bei der Renaturierung von Mooren und beim Ausbau des landesweiten Biotopverbundes. Diese Ziele sind nur mit zusätzlichen Naturschutzmaßnahmen und einer deutlichen Erhöhung des bayerischen Naturschutzhaushalts zu erreichen. Aufgrund einer Haushaltssperre fehlte im Jahr 2025 jedoch Geld für zahlreiche Naturschutzmaßnahmen. Im nächsten Doppelhaushalt müssen ausreichend Mittel bereitgestellt werden, um die Naturschutzziele zu erreichen und die Naturjuwelen im Landkreis nicht aufs Spiel zu setzen.
Mit dem Artenhilfsprogramm (AHP) Ortolan setzt sich der LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) seit Jahren für den Erhalt des in Bayern vom Aussterben bedrohten Ortolans ein. Wenn die Maßnahmen in Zukunft aufgrund fehlender Gelder nicht mehr durchgeführt werden können, hätte dies fatale Auswirkungen für den Schutz dieser Vogelart.
Artenschutzprojekte und Landschaftspflegemaßnahmen vor Ort werden möglich durch das Engagement und die Zusammenarbeit von haupt- und ehrenamtlichen Naturschützern und Landwirten sowie eine ausreichende Finanzierung. Ganz konkret zeigt sich das am Beispiel des Artenhilfsprogramms Ortolan im Landkreis Schweinfurt. Seit Jahren arbeitet der LBV mit den Landwirten vor Ort zusammen, die ihre Flächen extensiver bewirtschaften und gezielt Feldfrüchte anbauen, die dem Ortolan optimale Bedingungen bieten. Die Art braucht strukturreiche Waldränder oder Streuobstwiesen als Singwarten und extensiv genutzte Ackerflächen oder breite Ackerrandstreifen zur Brut. Nur wenn eine angepasste Bewirtschaftung verlässlich finanziert wird, können die letzten Ortolan-Vorkommen in Unterfranken erhalten bleiben.
Bayerns Weg der Freiwilligkeit im Naturschutz war in den vergangenen Jahren durchaus erfolgreich aber hat auch seinen Preis. Um aufgebautes Vertrauen zwischen Landwirtschaft, Kommunen und Naturschutz nicht zu zerstören, muss der Freistaat diesen freiwilligen, kooperativen Weg weiter ausreichend, zuverlässig und langfristig finanzieren. Können Naturschutzmaßnahmen nicht mehr durchgeführt werden, so hat dies Auswirkungen auf die Natur vor unserer Haustüre. Streuobstwiesen und Hecken verlieren ohne regelmäßige Pflege ihren ökologischen Wert, Felder und Wiesen ihre natürliche Vielfalt und zahlreiche Arten ihren Lebensraum.
Im Artenhilfsprogramm Ortolan ist die zukünftige Finanzierung durch das Bayerische Landesamt für Umwelt/die Regierung von Unterfranken derzeit nicht gesichert. Sowohl die Mittel zur Entschädigung der Landwirte, als auch die für die Kapazitäten des AHP wurden für das kommende Jahr 2026 deutlich gekürzt. Das hat vor allem Auswirkungen auf die freiwilligen Leistungen der beteiligten Landwirte, deren an die Anforderungen der Art angepasste extensive Bewirtschaftung nur mit einer verlässlichen Honorierung möglich ist. Ohne diese Förderung fallen wichtige Bruthabitate und Nahrungsflächen weg. Für den Ortolan, dessen letzte bayerische Brutvorkommen bei uns in Unterfranken liegen (gut ein Drittel der bayerischen Population brütet im LK Schweinfurt), bedeutet das einen weiteren Verlust ohnehin knapper Lebensräume. Gleichzeitig wird auch das über Jahre gewachsene Vertrauen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz gefährdet, das für die freiwillige Umsetzung der Maßnahmen entscheidend ist.
„Wir bitten die Landtagsabgeordneten Martina Gießübel und Felix von Zobel, sich für eine verlässliche Finanzierung im bayerischen Naturschutzhaushalt einzusetzen. Hier im Landkreis Schweinfurt hängen die letzten Ortolan-Vorkommen Bayerns davon ab. Wir müssen gemeinsam mit den Landwirten geeignete Lebensräume erhalten. Wenn die Unterstützung durch die Landesregierung wegfällt, verlieren wir ein Stück unserer Kulturlandschaft und eine Art, die für unsere Region steht“, erklärt Udo Baake, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe. „Naturschutz ist nicht verhandelbar, denn die Natur verhandelt auch nicht mit uns. Beim Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen dürfen wir nicht nachlassen.“








