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Kirchturmuhr nach aufwendiger Restaurierung wieder komplett

vom 09.07.2026 - 11:07 Uhr

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Grafenrheinfeld: Wochenlang fehlte am Kirchturm der Pfarrkirche ein vertrauter Anblick: Die drei großen Zifferblätter der Kirchturmuhr waren verschwunden. Ende April wurden sie mit einem Spezialhubsteiger in rund 40 Metern Höhe demontiert und zur Restaurierung nach Regensburg gebracht. Nun sind sie an ihren angestammten Platz zurückgekehrt – vollständig überarbeitet, mit neu vergoldeten Zeigern und bereit, für viele weitere Jahre zuverlässig die Zeit anzuzeigen.

Mit der Restaurierung wurde erneut die traditionsreiche Turmuhrenfabrik Rauscher aus Regensburg beauftragt. Der Familienbetrieb zählt zu den wenigen spezialisierten Unternehmen in Deutschland, die sich auf die Restaurierung historischer Turmuhren, Zifferblätter und Zeigeranlagen konzentrieren. Mit Grafenrheinfeld verbindet die Firma seit Jahrzehnten eine besondere Geschichte: Bereits der Großvater der Juniorchefin Mathilda Neujean installierte einst das damalige Uhrwerk im Kirchturm der Pfarrkirche. Das historische Uhrwerk ist bis heute erhalten. Mittlerweile wurde es durch eine moderne funkgesteuerte Quarzsteuerung ergänzt, die historische Technik jedoch überarbeitet und weiterhin in das Gesamtsystem eingebunden.

Die drei Zifferblätter mit einem Durchmesser von jeweils rund 2,50 Metern wurden in der Werkstatt der Firma Rauscher sorgfältig restauriert. Anders als viele vermuten würden, mussten sie nicht ersetzt werden.

„Die Zifferblätter bestehen aus glasfaserverstärktem Duroplast“, erklärt Juniorchefin Mathilda Neujean, Tochter der Firmeninhaberin Christine Rauscher. „Dieses Material hat sich über viele Jahrzehnte bewährt. Es ist deutlich leichter als Metall, sehr langlebig und dadurch ideal für Kirchturmuhren geeignet.“

Duroplast findet unter anderem auch im Schiff- und Caravanbau Verwendung. Das geringe Gewicht erleichtert nicht nur die Montage in großer Höhe, sondern sorgt auch dafür, dass die Konstruktion dauerhaft stabil bleibt.

In der Werkstatt wurden die Zifferblätter zunächst vollständig abgeschliffen. Anschließend erhielten sie einen neuen, hochwertigen Lackaufbau. Die Arbeiten erfolgen dabei bewusst in traditioneller Handarbeit.

„Wir sprühen die Farbe nicht auf“, erläutert Mathilda Neujean. „Sie wird von Hand aufgetragen. Dadurch erreichen wir eine besonders hochwertige Oberfläche.“

Noch umfangreicher fielen die Arbeiten an den Zeigern aus. Diese bestehen aus Kupfer und wurden frisch vergoldet.

„Wir fertigen ausschließlich Kupferzeiger“, berichtet Mathilda Neujean. Sie wurden grundiert, lackiert und anschließend mit echtem 24-Karat-Blattgold vergoldet.

Neben der optischen Erneuerung wurde selbstverständlich auch die gesamte Befestigungstechnik überprüft. Gerade bei Bauteilen, die sich in rund 40 Metern Höhe befinden, spielt die Sicherheit eine entscheidende Rolle.

Nach mehreren Wochen in der Werkstatt kehrten die restaurierten Zifferblätter schließlich nach Grafenrheinfeld zurück. Schon in den frühen Morgenstunden begann das Montageteam der Firma Rauscher mit den Arbeiten am Kirchturm.

Mit einem Hubsteiger wurden die einzelnen Zifferblätter vorsichtig wieder an ihre ursprüngliche Position gebracht. Parallel dazu erfolgten im Inneren des Turms die Arbeiten an den Zeigerwerken und den Befestigungen.

Auch Juniorchefin Mathilda Neujean arbeitete selbst auf der Baustelle mit. Sie war nicht nur an den Restaurierungsarbeiten in der Werkstatt beteiligt, sondern übernahm auch einen Teil der Montagearbeiten in luftiger Höhe.

Unterstützt wurde das Team auch von Holger Schmich vom Bauhof. Er kümmert sich um unsere Kirchtürme und um unsere Kirchturmuhr und hat zu den Kirchtürmen eine besondere Beziehung. Er identifiziert sich mit ihnen und war bei den Arbeiten ebenfalls dabei.

„Bis jetzt sind wir schon mehrere Stunden am Turm beschäftigt“, erzählt sie während der Arbeiten. „Ich habe auch die neuen Zeiger selbst montiert. Mit meiner Höhenangst ist das manchmal gar nicht so einfach. Aber ich habe zwei sehr gute Mitarbeiter dabei, die die Zifferblätter anheben, die Montage unterstützen und von innen die Zeigerwerke befestigen.“

Nach der Montage aller drei Zifferblätter wurden die Uhrwerke sorgfältig eingestellt und die Uhrzeit exakt justiert. Erst danach konnte die restaurierte Kirchturmuhr ihren Betrieb wieder vollständig aufnehmen.

Mit dem Abschluss der Arbeiten präsentiert sich die Uhr nun wieder nahezu wie neu. Besonders die frisch vergoldeten Zeiger setzen bei Sonnenschein eindrucksvolle Akzente und sind bereits aus großer Entfernung gut sichtbar.

Bürgermeister Christian Keller freut sich über das gelungene Ergebnis: „Die Zifferblätter waren in den letzten Jahrzehnten stark ausgeblichen und mussten dringend saniert werden. Die Arbeiten haben mehrere Wochen gedauert – und das hatte auch einen großen Vorteil: Viele Bürgerinnen und Bürger haben mich immer wieder angesprochen und gefragt, wann denn endlich die Zeiger und die Zifferblätter wiederkommen. Ich habe mich gefreuthätte nicht gedacht, dass unsere Kirchturmuhr auch im täglichenpraktischen Leben so eine große Bedeutung hat.“

Für Keller ist die Sanierung auch ein Gewinn für das Ortsbild: „Kirchtürme und Kirchturmuhren sind oft prägende Elemente des Ortsbildes einer Gemeinde. Unsere Grafenrheinfelder Kirche mit ihren zwei Türmen ist eine besonders schöne Ortskirche, die von weit sichtbar ist.“

Zugleich habe die Maßnahme dazu beigetragen, dass die Menschen ihre Kirchturmuhr wieder stärker zu schätzen wissen: „Es war auch ein Vorteil, dass die Leute ihre Kirchturmuhr wieder richtig schätzen gelernt haben. Viele werden sich in den nächsten Tagen und Wochen an dem neuen Anblick erfreuen und sich auch freuen, dass ihre Kirchturmuhr wieder gut sichtbar ist und funktioniert.“

Die Grafenrheinfelder Kirchturmuhr besitzt darüber hinaus einige Besonderheiten. So verfügt der Turm – wie viele historische Kirchen – lediglich über drei Zifferblätter. Das ist keineswegs ungewöhnlich. Früher wurde aus Kostengründen häufig auf die dem Ort abgewandte Seite verzichtet, da diese für die Bevölkerung ohnehin kaum einsehbar war.

Wer einen genaueren Blick auf die restaurierten Zifferblätter wirft, entdeckt außerdem eine weitere Besonderheit: Die römische Vier wird nicht als „IV“, sondern als „IIII“ dargestellt. Diese Schreibweise ist bei historischen Turmuhren seit Jahrhunderten weit verbreitet. Sie gilt als besser lesbar und sorgt zugleich für ein ausgewogeneres Erscheinungsbild des gesamten Zifferblattes.

Die Sanierung kostete rund 8.500 Euro und wurde von der Gemeinde Grafenrheinfeld finanziert. Dass die Kommune für die Kirchturmuhr verantwortlich ist, hat historische Gründe. Früher war die Turmuhr die einzige öffentliche Zeitangabe für die Bevölkerung. Deshalb übernahmen vielerorts die Gemeinden die Baulast für Turm und Uhr – eine Tradition, die bis heute fortgeführt wird.

Für die Firma Rauscher war die Rückkehr nach Grafenrheinfeld zugleich ein Wiedersehen mit einem langjährigen Projekt. Dass bereits der Vater der heutigen Firmeninhaberin am Uhrwerk der Pfarrkirche gearbeitet hat und nun mit Mathilda Neujean bereits die fünfte Generation des Familienunternehmens an der Restaurierung beteiligt ist, zeigt eindrucksvoll, wie viel Tradition und Erfahrung in diesem besonderen Handwerk steckt.

Fotos: Sabine Bromisch

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