Schonungen: Wer als Kämmerer in der Großgemeinde tätig ist, sei nicht unbedingt zu beneiden, stellte Bürgermeister Stefan Rottmann in seiner Laudatio anfangs fest. Besonders leidensfähig und bescheiden müsse der oberste Finanzverwalter sein: Gerade das zeichnete Robert Mantel aus, der nach fast 40 Jahren nun als Kämmerer im Rahmen einer Feierstunde im Sitzungssaal des Schonunger Rathauses in den Ruhestand verabschiedet wurde.
Als Dinosaurier oder gar weißen Elefanten hat sich Robert Mantel kürzlich scherzhaft selbst bezeichnet, erinnerte sich Rottmann: „Ein Fünkchen Wahrheit steckt schon dahinter!“, stellte Rottmann fest. Es gäbe nur wenige Finanzverwalter von diesem Format. Selten, ja vom Aussterben bedroht, sei die Spezies Kämmerer, wie man bei der Neubesetzung der Stelle leidvoll erfahren musste weil nur spärlich Bewerbungen eintrudelten. Nur wenige haben das Zeug, bringen die fachliche Eignung und Qualifikation für eine solche Aufgabe mit.
Die Anforderungen haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt, denke man an die verschärften gesetzlichen Vorgaben in der Kameralistik und Haushaltsführung, der hohe bürokratische Aufwand bei der Abwicklung von Zuschussanträgen und die zunehmende Nutzung von Computerprogrammen. Gerade bei einer solchen Vielzahl von Projekten wie in der Großgemeinde Schonungen, galt es den Überblick zu behalten um möglichst viele Gelder aus unterschiedlichsten Zuschusstöpfen zu organisieren. Welch bürokratischer Aufwand damit verbunden sei, zeige sich vor allem bei den Bedarfszuweisungen, deren Zuschuss auf fast 13. Mio. Euro beziffert werden darf – und ein Novum im Landkreis darstelle.
„Wie hoch wäre der Schuldenstand allerdings heute, wäre da nicht Robert Mantel, der die Bürgermeister und den Gemeinderat an die kurze Leine genommen hat.“, lobte Rottmann. So mancher Wunsch zerplatzte schneller wie eine Seifenblase: Auch das seien die unangenehmen Seiten eines Kämmererdaseins. Besonnen und vorausschauend wachte er über die Finanzen, was sich in einer soliden Haushaltspolitik ausdrückte. Mit einem intelligenten Schuldenmanagement aber auch viel Geschick gelang es ihm, dass auch aussichtlose Projekte durchfinanziert und damit realisiert werden konnten. „Natürlich war so manches „Streichkonzert“ deprimierend!“, räumte Rottmann ein: Doch die Zwänge konnte Mantel den Entscheidern immer plausibel aufzeigen. Besonders die ausführlichen Haushaltsberichte wurden sehr geschätzt: Sie erklärten das große Ganze und zeigten die gemeindlichen Entwicklungen im Gefüge der Weltpolitik.
Robert Mantel sei ein Mann mit „Weitblick“. Besonders das Schlagwort „Nachhaltigkeit“ machte er zu seinem Lebensphilosophie: Vor allem im Zusammenhang mit Themen des Umwelt- und Naturschutzes bzw. des Klimawandels. „Logisch, dass der Gemeindewald in seinen Händen gut aufgehoben war.“, lobte der Rathauschef. Er machte sich stark für die Pflege und Aufforstung der Waldflächen, unter Berücksichtigung von betriebswirtschaftlichen Interessen. Robert Mantel pflegte den Kontakt zu den Jagdgenossenschaften, aber auch zu den Wald- und Flurhütern: Er gab ihnen das Gefühl des „Gehört-werdens“ und des „Mitgenommen seins“. Respekt verschaffte er sich bei den Rechtlern, dessen Forderungen großteils dauerhaft abgelöst werden konnten. Als Kämmerer trug er außerdem Verantwortung für Forst- und Hallenbadbetrieb: Er kümmerte sich um den regelmäßigen Austausch und förderte ein kollegiales Betriebsklima. Eine besondere Beziehung hat er zu den Stiftungseinrichtungen: Beispielsweise sei hier die Dr. Robert-Hofmann-Stiftung genannt, für die er sich auch nach Ausscheiden weiterhin ehrenamtlich verantwortlich zeigen will.
Sein Steckenpferd war zweifelsohne aber die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde. Unermüdlich war er damit beschäftigt, Verwaltungsvorgänge aber auch Entscheidungsprozesse im Gemeinderat transparent zu gestalten und in regelmäßigen Abständen über die Beschlussfassungen zu berichten. Robert Mantel ist ein Mensch, der seine Heimatgemeinde liebt: Sein Engagement endete nicht an der Rathaustüre, was seine Vereinstätigkeit bei der örtlichen Feuerwehr oder das Ausarbeiten seiner Ortschronik über Abersfeld dokumentieren.
Robert Mantel war nicht nur ein ausgezeichneter Schriftsteller, vielmehr auch ein Hobbyphilosoph. Der „große Bahnhof“, so nannte er sinngemäß seinen Abschiedsreim, der sich über viele Verse erstreckte und die gemeindlichen Entwicklungen, die Sorgen und Freuden seines Kämmererdaseins beleuchtete. Sichtlich ergriffen zeigte sich Mantel über die große Würdigung seines Werdegangs und Lebenswerks in der Gemeinde Schonungen. Auch die beiden Altbürgermeister Rudolf Müller und Kilian Hartmann gaben sich die Ehre, um Robert Mantel für seine geleistete Arbeit zu danken. Unter den Gästen mischten sich unteranderem auch Stephan Thierfelder und Reiner Seufert vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, aber auch Vertreter der Bankenwelt, wie Vorstand Peter Oppolzer (VR-Bank), Direktor Jürgen Hein (Flessabank) und Norbert Reuß, Rainer Spall (Sparkasse).
Claudia Ullrich bedankte sich im Namen der Kolleginnen und Kollegen bei ihrem „Chef“ mit einem besonderen Geschenk: Als sie „Robert’s Hausbank“ enthüllte, war die Freude über das ungewöhnliche Abschiedspräsent groß. Robert Mantel nutzte auch gleich die Gelegenheit mit seiner Gattin Edeltraud zu einem Probesitzen. Für das Gesamtpersonal bedankte sich Thomas Pröstler und auch die beiden Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat Elisabeth Weger und Klaus Reimann hielten eine kurze Dankesrede. Mit Andrea Pfrang trat auch die neue Kämmerin ans Mikro, die sich für die Einarbeitung herzlich bedankte. „Uns hätte nichts Besseres passieren können!“, lobte Bürgermeister Stefan Rottmann ihr Engagement bereits in seiner Laudatio. In kürzester Zeit habe sie sich in Schonungen eingearbeitet und leiste hervorragende Arbeit. „Sie ist eine würdige Nachfolgerin und macht ihre Sache verdammt gut!“, freute sich Rottmann.
Nun nach fast 40 Jahren Dienstzeit endet eine Ära in der Gemeindeverwaltung, wie Bürgermeister Stefan Rottmann darstellte. Was sich im September 2009 mit der Altersteilzeit bereits abzeichnete, wird mit der Passivphase ab März 2013 Realität. Am 31. August 2016 endet dann auch offiziell auf dem Blatt Papier seine Zugehörigkeit zur Gemeindebelegschaft.
Das Foto zeigt von links: Altbürgermeister Rudolf Müller, 1. Bürgermeister Stefan Rottmann, Edeltraud und Robert Mantel, Schonungens neue Kämmerin Andrea Pfrang und Altbürgermeister Kilian Hartmann.








