Unterfranken: Im vierten Jahr in Folge verzeichnet die Handwerkskammer für Unterfranken einen Anstieg bei den neuen Ausbildungsverträgen. Mit 2.408 neuen Verträgen zum Ausbildungsstart im September 2026 wurde ein Plus von rund 3,8 %, und damit wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Ein Ergebnis, das besonders in wirtschaftlich und gesellschaftlich unruhigen Zeiten Kraft und Stabilität signalisiert. Ein mitentscheidender Faktor für diese Entwicklung sind die internationalen Auszubildenden.
„Das ist ein wirklich starkes Ergebnis“, betont Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken. Mit 2.408 neuen Verträgen zum Ausbildungsstart im September 2026 verzeichnet die Handwerkskammer ein Plus von rund 3,8 %. „Es zeigt, dass unser deutliches Engagement in der Nachwuchsgewinnung weiterhin Früchte trägt – und dass das Handwerk als sinnstiftender und zukunftssicherer Karriereweg an Attraktivität gewinnt.“
Bereits 2025 konnte die Handwerkskammer trotz des fehlenden Abiturjahrgangs – bedingt durch die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in Bayern – ein leichtes Plus von 0,5 % verzeichnen: 2.320 junge Menschen starteten ihre handwerkliche Ausbildung. Dass sich der Aufwärtstrend 2026 nicht nur fortsetzt, sondern mit 2.408 neuen Verträgen deutlich verstärkt, war keineswegs so zu erwarten
Internationale Auszubildende als tragende Säule
Hinter dem erfreulichen Gesamtergebnis steht eine Entwicklung, die das unterfränkische Handwerk grundlegend verändert: Rund 22 % der neuen Auszubildenden besitzen keine deutsche Staatsangehörigkeit und kommen aus etwa 90 verschiedenen Nationen. Zum Vergleich: 2024 lag dieser Anteil bei 16 %, 2025 bereits bei 21 %.
„Ohne diesen Anteil an internationalen Auszubildenden wäre das Handwerk nicht so stark, wie es jetzt ist“, weiß Ludwig Paul. Die Auswirkungen eines Azubi-Mangels würden weit über Werkstätten und Baustellen hinaus spürbar: Wenn die Bäckerin morgens keine Brötchen mehr backt, der Installateur die Heizung nicht repariert und die Elektrikerin keine Photovoltaikanlage mehr installiert, betrifft das alle gesellschaftlichen Bereiche – von der Energiewende über die Wohnungsversorgung bis zur Grundversorgung im ländlichen Raum.
Bayernweit zeichnet sich ein einheitliches Bild: Bei neuen Lehrverträgen mit Menschen aus Drittstaaten führt Vietnam, gefolgt von Afghanistan, Syrien und der Ukraine.
Sprache bleibt zentrale Herausforderung
Mangelnde Sprachkenntnisse bleiben das größte Hindernis für eine erfolgreiche Ausbildung. „Gerade im Lebensmittelhandwerk ist der Anteil ausländischer Auszubildender mittlerweile sehr hoch, was natürlich Auswirkungen auf die Lehre hat“, erklärt Ludwig Paul. Besonders in der überbetrieblichen Ausbildung in den Bildungszentren der Kammer aber auch in den Berufsschulen und natürlich in den ausbildenden Betrieben verlangt dies großes Engagement.
Das Problem beginnt bereits vor der Einreise: „Lehrkräfte in den Herkunftsländern sind keine Muttersprachler, die Aussprache weicht von der deutschen Realität ab – Dialekte inklusive – und zwischen dem Sprachkurs im Ausland und dem Ausbildungsbeginn liegt oft zeitlicher Abstand, in dem erworbene Kenntnisse wieder verblassen.“
Das Handwerk als Anker in der modernen Welt
Ein vielleicht überraschender Grund für das wachsende Interesse an handwerklichen Ausbildungen liegt auch in der Künstlichen Intelligenz im Spannungsfeld zwischen Digitalisierung und dem Wunsch nach erfüllender Tätigkeit. Aktuelle Studien und Markttrends zeigen, dass ein wachsender Teil der jungen Generation bewusst auf analoge, greifbare Formate setzt – als Gegenreaktion auf digitale Überflutung und zunehmende KI-Durchdringung. Der Wunsch nach Authentizität, Nachhaltigkeit und wertbeständigen Ergebnissen spielt dabei eine zentrale Rolle. „Andererseits ist das moderne Handwerk selbst ein digitaler Pionier. Denken Sie an den Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, der heute per Tablet eine Wärmepumpe mit der Photovoltaik-Anlage vernetzt und das ganze System für den Kunden per App steuerbar macht, oder an den Schreiner, der an CNC-Maschinen arbeitet – das Handwerk verbindet traditionelle Fertigkeiten mit Hightech“, so Ludwig Paul, „ein Aspekt, der das Handwerk für eine breite Zielgruppe attraktiv macht.“
Ausbildungsmarkt: Chancen bleiben hervorragend
Die Handwerkskammer für Unterfranken blickt mit Zuversicht auf das kommende Ausbildungsjahr. Aktuell sind noch über 1.500 freie Lehrstellen in der Lehrstellenbörse registriert – über alle Gewerke und Regionen Unterfrankens hinweg. Der Ausbildungsmarkt bietet damit weiterhin mehr Plätze als Bewerber. „An dieser Stelle ein ausdrückliches Dankeschön an unsere Ausbildungsbetriebe im Handwerk. Die Ausbildungsbereitschaft ist nach wie vor ungebrochen hoch. Unsere Ausbildungsbetriebe geben jungen Menschen nicht nur eine Chance zur Ausbildung, zum Einstieg in den Beruf, sondern investieren in ein qualitatives Lernumfeld und fördern die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit“, so Ludwig Paul.
Das Handwerk steht vor einer doppelten Aufgabe: den Zustrom internationaler Fachkräfte von morgen durch bessere Sprachförderung und kluge Integrationskonzepte nachhaltig zu sichern – und gleichzeitig möglichst viele junge Menschen für eine Karriere im Handwerk zu begeistern. Die Zahlen zum Ausbildungsstart 2026 zeigen: Beides gelingt zunehmend besser.
Bild: Insgesamt 2.408 junge Menschen starten zum Stichtag 31. August 2026 eine Ausbildung im unterfränkischen Handwerk, im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von 3,8 %.
Foto: Sascha Schneider








