Aus dem aktuellen SWmagaz.in: Er ist Ureinwohner, in Sömmersdorf geboren, beide Eltern sind Sömmersdorfer, die Großeltern Sömmersdorfer. Seit 1968 spielt Dieter Mergenthal schon bei den Passionsspielen mit. Die Rollenträger, ob Hoher Rat oder die weinenden Frauen, durften früher keine kleinen Kinder auf die Bühne mitnehmen. Die Kinder durften erst mitspielen, wenn sie auf eigenen Beinen laufen konnten. Heute spielen schon Babys auf den Armen ihrer Mütter mit.
Die Mergenthals haben drei Kinder. Alle haben erst mit neun bzw. zehn Jahren mitgespielt.
Die Rolle des Pilatus
Dieter Mergenthal, hat wie alle anderen auch, an dem Auswahlwochenende teilgenommen, auf neudeutsch würde man heute Casting sagen. Alle mussten vorsprechen, Rollen spielen. Die Auswahl hat ihn dann doch sehr überrascht, dass er den Pilatus spielen soll, hat er doch fast 25 Jahren im Hohen Rat agiert. Mit der Rolle des Pilatus hat er sozusagen auf die Gegenseite gewechselt.
Der Gute oder der Böse
Ganz von vorne hat er sich mit seiner Rolle befassen müssen, Pilatus der Statthalter, ein kleiner Herrscher. Eine Frage war für Dieter Mergenthal besonders schwierig: „Ist Pilatus der Gute oder der Böse?“ Eigentlich möchte er Jesus nicht verurteilen, seine Frau warnt in sogar davor. Vom Gefühl her möchte er ihn freisprechen, aber es geht darum, dass Ruhe im Land herrscht, einen Aufstand will er vermeiden und deswegen wird er Jesus verurteilen. Die Gründe sind rein pragmatisch. Dieter Mergenthal hat sich in die Rolle hinein versetzt, er hat sich überlegt, was für ein Mensch Pilatus war und ist zu dem Schluss gekommen, Jesus hat den Pilatus überhaupt nicht interessiert, er hat ihn wahrscheinlich gar nicht gekannt, nur aus Berichten seiner Leute. Jesus war für ihn ein Prophet unter vielen. Es hat damals sehr viele Propheten, Befreier und Revolutionäre gegeben.
Durch das kurze Verhör von Jesus hat Pilatus gemerkt, dass er es nicht mit einem Revolutionär oder Aufständischen zu tun hatte. Pilatus hat nicht verstanden, warum er ihn zum Tode verurteilen soll. Sich ‚Sohn Gottes‘ zu nennen war aus damaliger Sicht eine Volksverhetzung, eine Beleidigung gegen den jüdischen Glauben. Nach römischem Recht spielte diese vermeintliche Anmaßung überhaupt keine Rolle. Die Römer hatten so viele Götter und Sohn eines Gottes haben sich viele genannt. So war die ganze Angelegenheit für den Pilatus nicht wichtig, eher nur lästig. Verurteilt hat er ihn letztlich, weil er keinen Aufstand riskieren wollte, aus Bequemlichkeit.
Dieter Mergenthal hat sich tief in die Persönlichkeit von Pilatus hineingegraben und wird Pilatus sicher sehr überzeugend darstellen.
Finanzmanager
Dieter Mergenthal ist als geprüfter Bilanzbuchhalter neben seiner Rolle natürlich auch in der Vorstandschaft des Passionsspielvereins aktiv tätig. Er ist, wie sollte es anders sein, für die Finanzen zuständig. Beruflich macht er das beim Opel-Haus Kümmeth & Ziegler in Schweinfurt.
Was die Besucher anspricht
Der Finanzmanager hat sehr konkrete Vorstellungen davon, was die Besucher der Passionsspiele anspricht:
„Wir haben in den letzten Jahren sehr konventionell gespielt, die Geschichte dargestellt ohne großes Getue außenrum. Die Leute heutzutage verlangen etwas mehr. Einmal von der Bühne selber, mehr Palmen, mehr Tiere, einfach etwas mehr spektakuläre Geschichten. Man sieht es auch, wenn man heute Musicals oder Konzerte besucht. Da sind Licht, Aufmachung, Kostüme oft wichtiger als das, was geboten wird. In die Richtung müssen wir auch gehen und unserem Publikum etwas bieten. Das wird viele Neuerungen geben, einmal auf der Bühne, die Kostüme, Requisiten, die Herodes-Szene wird z.B. optisch ganz spektakulär. Auf der Bühne wird ein Esel mitspielen, das Kamel mussten wir wieder abblasen, das war auch für die neue Bühne einfach zu groß. Der Zuschauer wird mehr für alle Sinne geboten bekommen.”
Ein gutes Spiel abliefern
Dieter Mergenthal hat konkrete Wünsche für die Spiele:
„Wir wollen ein gutes Spiel abliefern für viele zufriedene Zuschauer. Selbstverständlich soll für den Verein etwas übrigbleiben. Wir haben sehr viel investiert, wollen in Zukunft die Überdachung erneuern und unsere Halle umbauen. Für uns ist es auch wichtig, dass die Spieler gut versorgt werden und es soll eine schöne Gemeinschaft werden, für uns als Verein, für die Dorfgemeinschaft und für mich als Spieler ist das das Wichtigste.”
Jürgen Kohl
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