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Die frühen Herrscherjahre des „Märchenkönigs“

vom 24.02.2026 - 17:02 Uhr

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Bad Kissingen: König Ludwig II., der beliebte „Märchenkönig“, fasziniert bis heute das Publikum. Die Schlösser von Bayerns König Ludwig II. wurden erst letztes Jahr ins Weltkulturerbe aufgenommen. Souvenirartikel, zahlreiche Filme und Ausstellungen prägen unser Bild vom „Kini.“ Wer an ihn denkt, denkt mit Schauern an seinen mysteriösen, tragischen Tod im Starnberger See.

In der Ausstellung in Bad Kissingen hingegen geht es um den jungen König als Mensch.

Keiner der Wittelsbacher Herrscher verbrachte so viele Tage in Bad Kissingen wie König Ludwig II. von Bayern (1845-1886).

Die Ausstellung in Bad Kissingen gibt mit neuen Forschungsergebnissen und detaillierten Recherchen zu den Kissinger Aufenthalten Ludwigs II. spannende Einblicke in das Leben des jungen Königs und seine Beziehung zu Bad Kissingen.

Die Ausstellung erzählt von der Leidenschaft des Königs, andere zu beschenken. Sie stellt den jungen, sportlichen König vor, der nach dem unerwarteten Tod seines Vaters am 10. März 1864 mit 18 Jahren König wurde. Ins kalte politische Wasser geworfen musste er völlig unvorbereitet die Regierungsgeschäfte übernehmen.

Kurz nach seiner Inthronisation empfing König Ludwig II. im Mai eine Delegation aus Kissingen und ließ den Bürgern Kissingens ausrichten:

„Ich erinnere mich noch mit Vergnügen an Kissingen und seine schöne Umgebung, besonders der Ruine Bodenlaube. – Ich weiss, wie gerne Mein seliger Vater in Kissingen war und wie viel er auf Kissingen gehalten hat. Ich werde Kissingen dasselbe sein, was mein seliger Vater ihm war. Kissingen werde ich besuchen, wie Meine dringendsten Geschäfte erledigt sind.

Ludwig hatte sich wohl bei der Audienz an seinen ersten Aufenthalt in der Kurstadt als Kind erinnert. Als Kronprinz war er mit seiner Mutter Königin Marie von Bayern und seinem Bruder Otto 1852 nach Kissingen gekommen und lernte dort in der eigens für ihn und seinen Bruder errichteten Flussbadeanstalt in der Fränkischen Saale schwimmen.

Einige Wochen nach dem Besuch der Kissinger Delegation reiste König Ludwig II. im Juni 1864 nach Kissingen.

Treffpunkt der Highsociety: Die Kaiserkur

Unter der Regierung seines Großvaters König Ludwig I. (1786-1848) erfolgte der Ausbau des Bades Kissingen zum internationalen Kurort und Treffpunkt des europäischen Hochadels. Ludwig II. empfing jetzt dort die russische Zarenfamilie und das österreichische Kaiserpaar.

Von Marcus Spangenberg, dem bekannten Ludwig II. Biografen, können die Besucher der Bad Kissinger Sonderausstellung in einer Medienstation erfahren, wie eng sich die Beziehung zwischen Ludwig II. und der russischen Zarin in Kissingen entwickelte.

Im Sommer 1864 begann in Kissingen auch die enge freundschaftliche Beziehung zwischen König Ludwig II. und seiner Cousine Elisabeth, geborene Prinzessin in Bayern und damalige Kaiserin von Österreich. Ludwig traf sich mit Sisi zum Tee. Beide unternahmen gemeinsame Ausritte zur Saline und in die Umgebung.

„Nach Tische zur Kaiserin von Österreich, Armband, blieb 1 ½ Stunden, sprechen v. Sterben, Religion, Lieben.“

Notizen aus dem Tagebuch Ludwigs II. (Kissingen, 23. Juni 1864)

Der aufsehenerregenden „Kaiserkur“ von 1864 folgten noch zwei weitere Aufenthalte in der Kurstadt. 1868 besuchte König Ludwig II. ein letztes Mal Kissingen.

Ludwig II. und Otto von Bismarck

König Ludwig II. und Otto von Bismarck sind sich in Kissingen zwar nie begegnet, in zahlreichen Briefen standen beide jedoch in regem Austausch, insbesondere während der Kuraufenthalte Bismarcks in Kissingen.

Am Schreibtisch seines Arbeitszimmers, das sich mit originaler Ausstattung in der historischen Bismarck-Wohnung im Museum Obere Saline

erhalten hat, verfasste Bismarck zahlreiche Briefe an den König.

Die Ausstellung gibt interessante Einblicke in das ambivalente Verhältnis zwischen Ludwig II. und Otto von Bismarck. Sie beleuchtet auf der Grundlage neuer Forschungsergebnisse von Prof. Ulrich Lappenküper, dem ehemaligen Leiter der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh bei Hamburg, die Beziehung des bayerischen Königs zum Reichskanzler.

König Ludwig II. wollte keinen Krieg

Krieg führen zu müssen war ein traumatisches Erlebnis für Ludwig II.

Im Jahr 1866 stand Bayern an der Seite Österreichs im Krieg gegen Preußen.  Durch die Politik Otto von Bismarcks, die von ihm geführten Kriege und die Gründung des Deutschen Kaiserreichs (1871) verlor das Bayerische Königreich seine Eigenstaatlichkeit. Dieser Machtverlust war eine der Hauptursachen für Ludwigs Rückzug in die Gegenwelt, die er sich seit 1867 weitab seiner Residenzstadt München in den Bergen mit seinen Schlossbauten schuf.

Frankenfahrt

Im Winter 1866 bereiste Ludwig II. die im Krieg stark zerstörten fränkischen Gebiete. Der jugendliche König wurde von seinen Untertanen begeistert empfangen. Die sogenannte „Frankenfahrt“ wurde zu einem Triumphzug des Königs. Sie blieb die einzige Dienstreise Ludwigs II., die in München im königlichen Hofzug begann.

In der Ausstellung wird von der Reiseroute sowie von dem dichten Programm mit vielen Audienzen, Bällen und Besichtigungen, das Ludwig II. in Kissingen und an den anderen Stationen absolvieren musste, anschaulich berichtet. Man kann nachempfinden, wie anstrengend die Reise für den jungen Monarchen gewesen sein musste, insbesondere nachdem er sich bei nasskalter Witterung in Bamberg stark erkältet hatte und in Kissingen zunächst mit Fieber im Bett lag.

Museumsleiterin Annette Späth hat die Ausstellung kuratiert und rückt zusammen mit ihrem Ausstellungsteam und den Autorinnen und Autoren der umfangreichen Begleitpublikation den Menschen König Ludwig II. in den Mittelpunkt der Ausstellung.

Der Duft des Königs

Besucher und Besucherinnen können das Parfüm des Königs testen und erfahren dank der akribischen Recherche von Cornelia Oelwein, welche Geschenke Ludwig II. in den Geschäften und Bazaren in Kissingen einkaufte. Der König, der als Prinz zu äußerster Sparsamkeit erzogen worden war, liebte es, Geschenke zu machen.

An die Damen seiner Bekanntschaft ließ er gerne riesige Blumenbuketts überreichen, manchmal sogar zusammen mit prächtigen Vasen, daneben Schmuck, Fächer und andere Galanteriewaren. Für Herren gab es meist wertvolle Taschenuhren und Manschettenknöpfe, Petschafte (Stempelsiegel) und Taschenmesser. Noch heute tauchen immer wieder teure persönliche Geschenke des Königs im Kunsthandel auf.

In der Ausstellung sind beeindruckende Schaustücke aus der Sammlung des profunden Ludwig II.-Kenners Jean Louis Schlim (Sammlung Jean Louis München), aus den Städtischen Sammlungen der Stadt Bad Kissingen sowie aus Privatbesitz zu sehen.

Ein Parfümflakon Ludwigs II., ein Gästebucheintrag des jungen Prinzen in Kinderhandschrift oder Tagebucheintragungen erzählen persönliche Geschichten aus dem Leben des Königs. Zur Ausstellung liegt eine reich bebilderte Begleitpublikation mit Beiträgen von Jean Louis Schlim, Cornelia Oelwein, Ulrich Lappenküper, Heinrich Hacker und Annette Späth vor.

Die Ausstellung vermittelt eine andere Sicht auf den König und lässt Ludwig II. in zahlreichen Zitaten aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen auch persönlich zu Wort kommen. Zur Ausstellung findet ein Begleitprogramm mit Vorträgen und Sonderführungen sowie einem Mitmachprogramm für Kinder statt. (www.mseum-obere-saline.de)

Peter Weidisch (Hrsg.): König Ludwig II. und Bad Kissingen. Kaiserkur & Frankenfahrt (Bad Kissinger Museums-Informationen, Heft 13). Bad Kissingen 2025

ISBN 978-3-934912-34-2. Preis: 25,00 €

Informationen zum Begleitprogramm: www.museum-obere-saline.de

König Ludwig II. und Bad Kissingen. Kaiserkur & Frankenfahrt

Museum Obere Saline, Bad Kissingen, bis 30.08.2026

Bildnachweise:König Ludwig II. im Alter von 19 Jahren. Chromolithographie.

Henneberg-Museum Münnerstadt

Kaiserkur: Der junge König Ludwig II. mit Zylinder im Kissinger Kurgarten in Begleitung der russischen Zarenfamilie und des österreichischen Kaiserpaars.

Holzschnitt aus der Illustrierten Zeitung. Leipzig 30. Juli 1864.

Stadtarchiv Bad Kissingen, Graphische Sammlung

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