Würzburg/Mainfranken – Trotz anhaltender wirtschaftlicher Herausforderungen hat sich die Stimmung in der mainfränkischen Wirtschaft deutlich aufgehellt. Der IHK-Konjunkturklimaindikator, das Stimmungsbarometer der regionalen Wirtschaft, klettert auf 105 Punkte und erreicht damit den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2023. Von einer nachhaltigen Trendwende kann dennoch keine Rede sein.
„Die mainfränkische Wirtschaft arbeitet sich Schritt für Schritt aus dem Konjunkturtief heraus. Die Unternehmen bewerten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Perspektiven deutlich positiver als noch im Frühjahr. Das ist ein ermutigendes Signal, zumal sich die Stimmung in allen Branchen verbessert hat“, erläutert IHK-Konjunkturreferentin Elena Fürst das zentrale Ergebnis der Herbstkonjunktur-Umfrage. Allerdings verlaufe die Erholung nicht überall gleich: Während sich das Dienstleistungsgewerbe erneut als konjunkturelles Zugpferd erweise und auch die Industrie positive Signale sende, stehe der Handel trotz spürbarer Verbesserungen weiterhin unter Druck. „Zudem bleiben die strukturellen Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort erheblich“, so Fürst.
Ein Blick ins Detail: Mit einem Saldo von elf Punkten erreicht die aktuelle Geschäftslage den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Knapp jedes dritte Unternehmen (29 Prozent) berichtet von guten Geschäften, etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) von befriedigenden und knapp jeder Fünfte (18 Prozent) von schlechten. Sowohl die Inlands- als auch die Auslandsnachfrage haben sich zuletzt weitgehend stabilisiert.
Erholung gewinnt an Breite, bleibt aber verhalten
Auch mit Blick auf die kommenden zwölf Monate schwindet der Pessimismus zunehmend: Zwei Drittel der Unternehmen rechnen mit einer gleichbleibenden Geschäftsentwicklung, 16 Prozent erwarten eine Verbesserung und 17 Prozent eine Verschlechterung. Der Erwartungssaldo verbessert sich damit um elf Zähler auf minus einen Punkt. Dabei setzen die Unternehmen auf eine stabile Inlandsnachfrage und leicht positive Impulse aus dem Exportgeschäft.
Die mainfränkischen Unternehmen blicken wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft, was sich auch in ihren Investitionsplänen zeigt. Der Investitionssaldo steigt auf einen Punkt und erreicht damit den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. „Das ist ein positives Signal. Für eine nachhaltige konjunkturelle Belebung reicht es jedoch noch nicht aus. Investitionen sind ein wichtiger Gradmesser für die wirtschaftliche Dynamik. Solange die Unternehmen größere Investitionsvorhaben nur zögerlich angehen, bleibt die wirtschaftliche Erholung anfällig“, meint Fürst. Die Beschäftigungspläne zeigen, dass die Unternehmen trotz der verbesserten Stimmung weiterhin vorsichtig agieren: Mit einem Saldo von minus 19 Punkten bleiben diese deutlich im negativen Bereich.
Die Unternehmen nennen die Energie- und Rohstoffpreise (66 Prozent), die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie die Inlandsnachfrage (je 63 Prozent) als größte Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung. Letztere könnte durch steigende Verbraucherpreise und eine damit verbundene Konsumzurückhaltung zusätzlich geschwächt werden.
Wettbewerbsfähigkeit stärken
Für Fürst steht fest: „Die wirtschaftliche Erholung in Mainfranken ist zwar erfreulich, aber sie trägt noch nicht nachhaltig. Fiskalische Impulse sorgen derzeit für Rückenwind. Gleichzeitig kämpfen viele Unternehmen weiterhin mit schwacher Nachfrage, hohen Kosten, geopolitischen Unsicherheiten und strukturellen Herausforderungen. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft nachhaltig zu stärken, braucht es verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und entschlossene Reformen, die Unternehmen spürbar entlasten.“
Die Befragung wurde vom 15. bis zum 25. September 2026 durchgeführt. Von den 805 befragten Unternehmen haben sich 230 beteiligt. Die vollständigen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage mit einer ausführlichen Branchenauswertung stehen online unter: www.wuerzburg.ihk.de/konjunktur
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