Schweinfurt – Am 30.07.2026 sollten die bisher konstruktiven Gespräche zur weiteren Verbesserung des Stadtbusnetzes zwischen den Initiatoren des Bürgerbegehrens, der Stadt Schweinfurt, dem Nahverkehrsgutachter Matthias Schmechtig und den Stadtwerken Schweinfurt fortgesetzt werden. Kurz vor dem Termin brach jedoch einer der Initiatoren, Herr Hartmut Bach, mit einer kurzfristigen Nachricht den Termin zum Platzen: In einer weiteren Besprechung sehe er keinen Sinn, er zog die geplante Sitzung und das Vieraugengespräch mit dem OB einseitig zurück. Gleichzeitig rauschte eine Pressemitteilung durch die Stadt und kündigte ein zweites Bürgerbegehren an. Das Treffen, zu dem die Stadt eingeladen hatte, fand dennoch statt – mit Frau Bender, aber ohne Herrn Bach – und damit wurde der Riss zwischen den Initiatoren deutlich sichtbar.
In den bisherigen Gesprächen wurden die Ideen von Herrn Bach und Frau Bender auf den Tisch gelegt und gemeinsam mit dem externen Nahverkehrsgutachter und den Stadtwerken intensiv im Detail diskutiert und fachlich fundiert abgewogen. Wichtige Schritte wurden von den Stadtwerken schneller als ursprünglich geplant umgesetzt: Die Verstärkung der Linie 100 (Bergl), eine neue Verbindung des Marktplatzes sowie die Anbindung der Haltestelle Geschwister-Scholl-Straße (Schulzentrum) am Nachmittag. Der Stadtrat hat diese Veränderungen am 26. März 2026 einstimmig und mit gemeinsamer Überzeugung beschlossen – und setzte damit sichtbare Zeichen für den ÖPNV. Unter anderem stieg im direkten Vergleich zum April die Pünktlichkeit der Linie 100 auf über 90 Prozent – dies ist eine spürbare Verbesserung.
Die Vereinbarung zwischen Stadt und Initiatoren aus dem Januar 2026 legte fest, dass Änderungen am Fahrplan Zeit und Vorbereitung brauchen. In den Gesprächen machte Herr Bach deutlich, dass er kein Verkehrsexperte sei und dass die Umsetzung der Veränderungen primär bei der Stadt Schweinfurt als Auftraggeberin bzw. den Stadtwerken liege. Leider machte das Beharren auf Maximalforderungen durch Herrn Bach die Konsensfindung extrem schwierig. Dies ist vor dem Hintergrund einer dramatisch verschlechternden Finanzsituation der Kommunen und des gesamten ÖPNV besonders problematisch. Das Defizit der kommunalen Aufgabenträger ist im gesamten NVM-Gebiet von 9,9 Mio. Euro in 2016 auf 62,4 Mio. Euro in 2024 gestiegen.
Bachs Vorschläge zur Kosteneinsparung enthielten teils Streichungen von Linien (z.B. die komplette Herausnahme der Linie, die Oberndorf mit der Innenstadt verbindet). Oberbürgermeister Ralf Hofmann stellt klar, dass man den wichtigen Stadtteil Oberndorf nicht einfach abhängen könne und machte deutlich: „Wir müssen als Stadt alle Stadtteile und Landkreisgemeinden mit einem gleichmäßigen ÖPNV-Angebot versorgen.“
Die Stadt konnte eine Rückkehr zum alten Busnetz nicht akzeptieren, da notwendige Zeitpuffer fehlten und die Betriebskosten davonliefen. Selbst die Busfahrerinnen und Busfahrer haben sich mit einer internen Unterschriftenaktion gegen eine Rückkehr zum alten Stadtbusnetz und die Wiedereinführung der Barzahlung ausgesprochen. Die Änderungen im gesamten Stadtgebiet in den letzten Jahren, insbesondere die Tempo-30-Umgestaltung seit 2022, erforderten längere Umlaufzeiten. Das Stadtbusnetz 1.0 in der alten Form ist nicht mehr fahrbar!
Das Ziel bleibt unverändert: eine hohe Bedienqualität im gesamten Stadtgebiet, eine gleichmäßige Anbindung aller Stadtteile, und dass trotz des knappen Kostenrahmens. Deshalb laufen derzeit intensive Vorbereitungen zwischen Stadt und Landkreis Schweinfurt, um ab 2029 eine bestmögliche, verzahnte ÖPNV-Versorgung sicherzustellen.
Die Stadt Schweinfurt, Frau Bender und die Stadtwerke bedauern den kurzfristigen einseitigen Abbruch der Gespräche zutiefst. Seitens der Stadtwerke und der Stadtverwaltung wurden alle Vorschläge von Herrn Bach qualifiziert geprüft und gemeinsam erörtert. Es ist sehr schade, dass die investierte Zeit und das intensive Ringen um eine Verbesserung des Busnetzes einfach vom Tisch gewischt werden.
Ein Busnetz ist ein komplexes Gesamtsystem, dessen Feinjustierung nach der großen Veränderung im Januar 2025 auch Zeit benötigt. Die Einbindung der Bürger, das Abstimmen des Linienverlaufs und der einzelnen Zeiten ist ein langwieriger Prozess. Dieser kann nur gelingen, wenn man sich zukunftsgerichtet darauf konzentrieren kann und nicht rückwärtsgewandt an etwas festhält, was nicht mehr zeitgerecht ist.








