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Stechende Schmerzen bei den ersten Schritten – nicht jeder Fersensporn ist die Ursache

vom 23.07.2026 - 10:07 Uhr

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Bad Neustadt: Nach dem Aufstehen schmerzt jeder Schritt: Viele Menschen kennen den stechenden Schmerz in der Ferse, der sich anfühlt, als würde man auf eine Nadel treten. Nach einigen Schritten lassen die Beschwerden meist nach. Nach längerem Sitzen oder einer Ruhepause kehren sie jedoch häufig zurück. Diese sogenannten Anlaufschmerzen sind ein typisches Anzeichen für eine Reizung im Bereich der Ferse.

Im Alltag werden solche Beschwerden häufig unter dem Begriff „Fersensporn“ zusammengefasst. Tatsächlich ist der knöcherne Sporn jedoch nicht immer die Ursache der Schmerzen. Entscheidend ist vielmehr, welche Struktur im Fuß gereizt ist. „Ein Fersensporn ist zunächst kein Grund zur Sorge“, erklärt Dr. Bernd Kolbe, Chefarzt der Klinik für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie. „Etwa jeder dritte Erwachsene hat einen Fersensporn, ohne jemals Beschwerden zu entwickeln. Deshalb behandeln wir nicht den Befund im Röntgenbild, sondern die Ursache der Schmerzen.“

Zwei Formen des Fersensporns

Die häufigste Form ist der plantare Fersensporn. Er entsteht an der Unterseite des Fersenbeins, wo die Plantarfaszie ansetzt – eine kräftige Bänderplatte, die das Fußgewölbe stabilisiert. Wird sie über längere Zeit überlastet, kann sich am Ansatz an der Ferse eine kleine knöcherne Ausziehung bilden.

Die Schmerzen entstehen jedoch meist nicht durch den Fersensporn selbst, sondern durch eine Reizung oder Entzündung der Plantarfaszie, die sogenannte Plantarfasziitis. Rund 70 Prozent der Betroffenen mit einer Plantarfasziitis haben zwar gleichzeitig einen Fersensporn im Röntgenbild. Umgekehrt verursacht ein Fersensporn bei vielen Menschen jedoch keinerlei Beschwerden. Auch ohne sichtbaren Sporn kann eine Plantarfasziitis dieselben typischen Schmerzen auslösen.

Deutlich seltener ist der dorsale Fersensporn. Er entsteht an der Rückseite des Fersenbeins im Bereich des Achillessehnenansatzes. Typisch sind Druckschmerzen an der Ferse, die sich vor allem beim Tragen geschlossener Schuhe bemerkbar machen. Die Behandlung richtet sich hier vor allem darauf, die Achillessehne zu entlasten und das Schuhwerk anzupassen. 

Meist hilft eine Behandlung ohne Operation

Ein Fersensporn beziehungsweise eine Plantarfasziitis ist zwar schmerzhaft, lässt sich aber in den meisten Fällen ohne Operation erfolgreich behandeln.

Die wichtigste Maßnahme sind regelmäßige Dehnübungen für Wadenmuskulatur und Plantarfaszie. Sie sollten zunächst unter physiotherapeutischer Anleitung erlernt und anschließend konsequent mehrmals täglich über mehrere Wochen durchgeführt werden. Ergänzend können gut gedämpfte Schuhe, Einlagen mit weicher Fersenpolsterung, Kühlung sowie bei Bedarf entzündungshemmende Medikamente die Beschwerden lindern.

Bestehen die Schmerzen über einen längeren Zeitraum, kann auch eine extrakorporale Stoßwellentherapie den Heilungsprozess unterstützen. Eine Operation ist dagegen nur selten erforderlich – und kommt erst infrage, wenn alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und die Beschwerden dauerhaft bestehen.

„Die wichtigste Therapie beginnt nicht im Operationssaal, sondern im Alltag“, betont Dr. Kolbe. „Wer regelmäßig dehnt, geeignetes Schuhwerk trägt und Überlastungen vermeidet, hat sehr gute Chancen, die Beschwerden dauerhaft in den Griff zu bekommen. „Mit Geduld und konsequenter Behandlung werden die meisten Patientinnen und Patienten wieder weitgehend beschwerdefrei.“

In der Klinik für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt werden jährlich mehr als 2.000 Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen und Verletzungen des Fußes und Sprunggelenks behandelt. Chefarzt Dr. med. Bernd Kolbe ist Facharzt für Orthopädie und zertifizierter Fußchirurg. Er wurde von der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (D.A.F.) erneut mit dem Personenzertifikat „Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie“ ausgezeichnet.

Bild: Nicht jeder Fersensporn muss operiert werden. Dr. med. Bernd Kolbe (links) und sein Team behandeln jährlich mehr als 2.000 Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen und Verletzungen des Fußes und Sprunggelenks. Fotocredit: RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt / Daniel Peter

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