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Vom Arbeiter zum Brückenbauer – ein syrischer Familienvater findet seinen Platz in Deutschland

vom 07.04.2026 - 13:04 Uhr

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Haßfurt: Als Mohamad Almotlak 2018 nach Deutschland kam, war es kein gewöhnlicher Neuanfang. Es war die Wiedervereinigung mit seinem Sohn und gleichzeitig der Versuch, seiner Familie nach Jahren der Unsicherheit eine neue Zukunft zu ermöglichen. Der heute 1974 geborene Syrer blickt auf ein bewegtes Leben zurück, das von harter Arbeit, einschneidenden Erfahrungen und großer Verantwortung geprägt ist.

Ein schwerer Start ins Berufsleben

Nach seinem Schulabschluss im Jahr 1991 im industriellen Bereich begann Mohamad Almotlak seine erste Arbeit in einer Plastikfabrik in Syrien. Doch ein schwerer Unfall veränderte alles: Ein Metallsplitter traf sein Auge. Zwei Wochen lang wurde er behandelt, schließlich musste er operiert werden, um den Splitter zu entfernen. Die körperlichen Folgen heilten, die Angst blieb. Aus Sorge um seine Gesundheit entschied er sich, diesen Beruf aufzugeben.

Der Syrer fand eine neue Tätigkeit in einer Firma im Bereich Lackierung und Malerei, wo er handwerklich arbeitete. Nach seinem 30-monatigen Militärdienst kehrte er ins zivile Leben zurück, heiratete 1999 und begann in derselben Firma als Fahrer zu arbeiten. Dort entwickelte er sich schnell zu einer wichtigen Vertrauensperson und wurde zur „rechten Hand“ des Firmeninhabers. Noch vor seiner Flucht wurde er erneut schwer getroffen diesmal durch den Krieg.

Eine Autobombe explodierte in seiner Nähe. Bei dieser Explosion verlor er einen Teil seiner Zähne und seines Kiefers. Es folgten mehrere Operationen. Diese Erfahrung hinterließ nicht nur körperliche Spuren, sondern auch tiefe seelische Belastungen. Mit dem Krieg zerbrach schließlich das gesamte Leben der Familie. Sicherheit gab es nicht mehr.

Flucht in die Türkei, Überleben durch Arbeit

Mit dem Ausbruch des Krieges in Syrien zerbrach das gewohnte Leben. Gemeinsam mit seiner Familie floh er zunächst in die Türkei. Dort begann ein neuer Kampf nicht um Karriere, sondern ums Überleben. Um seine Familie zu versorgen, nahm er jede Arbeit an, die er finden konnte: Er arbeitete an Tankstellen, in der Reinigung und in verschiedenen einfachen Tätigkeiten. Es ging nicht um Status oder Sicherheit, sondern darum, seine Familie durchzubringen und ihnen eine Perspektive zu geben. In dieser Zeit traf Mohamad Almotlak eine der schwersten Entscheidungen seines Lebens: Sein Sohn reiste von der Türkei aus mit einer anderen syrischen Familie weiter nach Deutschland, in der Hoffnung auf eine sichere Zukunft.  2018 folgte er selbst im Rahmen des Familiennachzugs nach Deutschland. Gemeinsam mit seinem Sohn brachte er auch drei weitere Kinder nach Deutschland; drei Jungen, für die er Verantwortung trägt und denen er neue Chancen ermöglichen wollte.

Eine Familie wächst in Deutschland

Heute zeigt sich, wie sehr sich dieser Weg gelohnt hat:

  • der älteste Sohn ist verheiratet und arbeitet im sozialen Bereich als Jugendbegleiter in einem Kinderheim.
  • der zweite Sohn arbeitet im Sicherheitsdienst und ist ebenfalls verheiratet.
  • der dritte Sohn besucht Berufsschule in Stuttgart.
  • der vierte Sohn besucht die dritte Klasse der Grundschule.
  • der fünfte Sohn wurde in Deutschland geboren.

Auch rechtlich ist die Familie weit angekommen: Alle Familienmitglieder haben inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten mit Ausnahme seiner Frau, die diese noch anstrebt, sobald sie ihre Sprachkurse abgeschlossen hat.

Engagement eine Familie hilft anderen

Integration ist für diese Familie keine Einbahnstraße. Seit 2020 engagiert sich Mohamad Almotlak ehrenamtlich gemeinsam mit der Hauptamtlichen Integrationslotsin Siza Zaby und war unter anderem im Projekt „Eltern-Talk“ aktiv. Er hilft Menschen bei Behördengängen, übersetzt Gespräche und unterstützt sie im Alltag. Auch seine Frau engagiert sich: Sie ist aktiv in einem Zuwanderungszentrum in Haßfurt in einer Frauengruppe namens „Leuchtturm“. Dort unterstützt sie andere Frauen, hilft ihnen bei der Orientierung im Alltag und zeigt Wege zur Integration auf. Gemeinsam stehen sie anderen Menschen zur Seite aus eigener Erfahrung heraus.

Brückenbauer im Alltag

Heute arbeitet Mohamad Almotlak seit zweieinhalb Jahren als Alltagsbetreuer für das Landratsamt. In dieser Rolle begleitet er geflüchtete Menschen, trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen, zu Behörden, hilft und unterstützt bei sprachlichen Herausforderungen. Seine Stärke liegt in seiner eigenen Geschichte: Er weiß, wie es ist, bei Null anzufangen. Genau das macht ihn zu einer wichtigen Verbindung zwischen Kulturen, Systemen und Menschen. Sein Weg ist geprägt von Verantwortung, Mut und Ausdauer. Vom Arbeiter in Syrien über den schweren Unfall, die Flucht in die Türkei, den mühsamen Neuanfang bis hin zu einem festen Arbeitsplatz in Deutschland, seine Geschichte zeigt, was Integration wirklich bedeutet: Nicht nur anzukommen, sondern auch anderen den Weg zu erleichtern.

Bild:  Mohamad Almotlak aus Limbach ist für geflüchtete Menschen ein wertvoller Brückenbauer.        Foto: Siza Zaby 

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