Gochsheim: „Des Fränkische machen heut wir“, sagte Traudel Epp in Richtung Hans Fischer. Beherzt trat sie mit ihrem Nachfolger im Bürgermeisteramt, Ewald Vögler, nach vorne und gemeinsam schauten sie hübsch fränkisch aufs Grettstadter Rathausleben.
Fischer und sein Partner Emil Heinemann ließen sich dann auch nicht lumpen. Sie begannen ihren Auftritt eben literarisch-klassisch mit dem Herbstlied und mit Texten von Hesse, Rilke, Rückert und Goethe. Bevor es – wie könnte es anders sein – dann doch urtümlich und unterfränkisch weiterging.
Im historischen Rathaus von Gochsheim gab es eine Uraufführung. Die Bürgermeister der Mainbogengemeinden zeigten, dass sie weit mehr können als Sitzungen leiten und Verwaltungsaufgaben übernehmen. In der historischen großen Ratsstube begrüßte Wolfgang Widmaier seine Kollegen und kündigte an, dass die Gäste heute „nicht den gestrengen Gemeindechef“, sondern auch ganz andere Seiten ihrer Bürgermeister kennenlernen würden.
Stolz präsentierte er auch den frisch renovierten Ratssaal, der jetzt wieder als „Raum für die Bürgerinnen und Bürger“ genutzt werden soll. Wie‘s in diesem Ratssaal früher zuging, erklärte „Reichsschultheiß“ Leo Jäger, der durch den Abend führte: „Alle 14 Tage musste hier früher die Gemeindeordnung vorgelesen werden“, berichtete er und fragte seinen Bürgermeister, wie lange wohl heute so eine Gemeinderatssitzung dauern würde, wenn das immer noch Vorschrift wäre.
Die Stimmung im historischen Ambiente war gut. Die Bürgermeister und ihre Mitstreiter ließen das Frankenland und das Fränkische auf vielerlei Art hochleben. Dabei blieb es natürlich auch nicht aus, dass kräftig gefrotzelt wurde. Bei aller Liebe, erhalten doch gerade die kleinen Seitenhiebe zwischen den Nachbardörfern die Freundschaft und sie bescheren den „Austeilern“ derselben immer die meisten Lacher.
Bereits der Grettschter Dreigesang gab hier die Richtung vor. Gab es doch soviel zu besingen über die unterschiedlichen Gebetbücher und die große Liebe zu Nachbargemeinde. Nach dem besinnlichen Einschub ging es auch beim Duo Fischer/Heinemann frisch, frech und fränkische weiter. Jetzt verließ das Publikum die Zuhörerrolle und stimmte fest in die Lieder mit ein, die Emil Heinemann auf dem Klavier begleitete. Beide heizten vor der Pause richtig ein.
„Was ist eigentlich fränkisch?“, fragte sich Altbürgermeister Walter Korn. Schließlich werde ja schon in jeder Mainbogengemeinde ein anderes fränkisch gesprochen. Er entschied sich dann für die Gochshumer Fassung und erzählte Geschichten von Josef Erhitzer. Das Kontrastprogramm des Abends kam aus Röthlein. Als jüngste Mainbogengemeinde traten die Röthleiner mit einem jungen Team auf. allen voran der stellvertretende Bürgermeister Uwe Stephan, der seine eigene Band aus „jungen Röthleinern“ mitgebracht hatte – jetzt hieß es englisch statt fränkisch. Begeistert hat auch der zwölfjährige Daniel, dessen Trompetentöne den alten Ratsaal füllten.
Wie heißt das einzig fränkische Wort mit einem harten „k“? Richtig: „Karasch“ und dieser setzten die „Karaschensänger“ aus Grafenrheinfeld ein Denkmal. Die Gruppe entstand in der Feierlaune eines Geburtstags von Bürgermeisterin Sabine Lutz und hatte ihren ersten Mainbogen-Auftritt. „Des war für uns a weng a Aufregung“, meinte Lutz, aber mit ihren Lieder, die das Frankenland hochleben ließen, hatten sie das Publikum sofort auf ihrer Seite und die Stimmen der Besucher verstärkten den Karaschen-Chor. „Heimat, liebe Heimat, wie bist du so schön“, klang es aus vielen Kehlen.
Zum Abschluss des Abends erfuhren die Gäste auch noch, was das Badener Ortsoberhaupt von Gochsheim mit dem Schriftsteller und Dichter Joseph Victor von Scheffel gemeinsam hat, beispielsweise den Heimatort Karlsruhe. Bürgermeister Widmaier gab einen Einblick in das Leben Scheffels, der heute in Franken besonders als Dichter des „Frankenliedes“ bekannt ist.

























































