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Die Ära Grieser geht zu Ende

vom 30.04.2010 - 08:04 Uhr

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Schweinfurt: Selbst am vorletzten Amtstag und gerade frisch im hohen Maße ausgezeichnet dachte Gudrun Grieser an ihre Stadt.

„Tut mir leid, dass das jetzt ausgerechnet in die Zeit der hohen Geldpreise fällt“, schmunzelte die scheidende Schweinfurter Oberbürgermeisterin, der am Donnerstagnachmittag im Rahmen einer Sondersitzung des Stadtrates die Bürgermedaille in Gold verliehen wurde.

Nur sieben besonders verdiente Frauen und Männer bekamen sie zuvor, letztmals war es mit Oberbürgermeister a.D. Kurt Petzold 1992 der Vorgänger Griesers, die von einer „großen Ehre“ sprach – und letztlich davon, dass sich die Stadt das Gold schon leisten könne angesichts ordentlicher Finanzen, die „GG“ als scheidende OB hinterlässt.

Ein paar feuchte Augen konnte man entdecken bei der kleinen Abschiedsfeier, als Grieser im Großen Sitzungssaal nach genau 18 Jahren ihren letzten Auftritt hatte. Sichtlich gerührt war der gesundheitlich angeschlagene Bürgermeister Otto Wirth, der – entgegen seiner Gewohnheiten – eine besonders lange Rede hielt und wie danach der CSU-Fraktionsvorsitzende Stefan Funk betonte, dass in einem zeitlich vertretbaren Rahmen doch gar nicht alles aufgelistet werden könne, was Grieser seit 1992 leistete. „Fleiß, Disziplin, Kreativität, Hartnäckigkeit und einen kollegialen freundschaftlichen Führungsstil“ bescheinigte Funk seiner Parteikollegin und fasste kurz zusammen, was Wirth zuvor im Vorfeld der Medaillen-Verleihung nochmals auflistete. Dass 1992 zu Beginn der Ära Grieser die städtischen Industriebetriebe 10.000 Beschäftigte entließen, Schweinfurt Krisenregion Nummer eins in Westdeutschland war – mit teilweise über 20 Prozent Arbeitslosigkeit. Was für eine Voraussetzung zum Start! Und heute? Dynamikregion Nummer eins sei Schweinfurt, eine Boomtown, deutschlandweit Nummer neun im Ranking unter 439 Städten, europaweit auf Platz 16 unter 1034 vergleichbaren Regionen, mit mehr Arbeitsplätzen als die rund 53.000 Einwohner.

Die damalige Krise habe sie gemeistert, den Strukturwandel eingeleitet und umgesetzt. „Die neue Macht am Main“ lautete vor mehr als zwei Jahren die Überschrift einer großen überregionalen Zeitung. Den Charme von Hillary Clinton und das Durchsetzungsvermögen von Maggie Thatcher habe Gudrun Grieser zur Hebamme der Wiedergeburt Schweinfurts gemacht, hieß es. Gekämpft wie eine Löwin habe sie für ihre Projekte und Vorhaben. Otto Wirth listete sie alle auf. Vom Industrie- und Gewerbepark Maintal über Konferenzzentrum, Stadtgalerie, Erweiterung der Fachhochschule, Gesundheitspark, Museum Georg Schäfer, Kunsthalle, Nachsommer, Ebracher Hof, neue VHS, Hauptzollamt, Eislaufhalle und Großkino bis zum Freizeitbad Silvana – das „neue Schweinfurt“ habe Grieser geprägt, der reichsstädtischen Architektur auch die der Moderne zugefügt. Kaum zu glauben eigentlich, dass es das alles 1992 noch nicht gab. „Gern daheim in Schweinfurt“, so der Name eines Projektes, sei man längst wieder. „Den Konzern Schweinfurt“ habe sie wirtschaftlich auf gesunde Füße gestellt, mit der Sparkassen-Fusion „ganz dicke Bretter gebohrt“. Nahezu schuldenfrei würde Schweinfurt übergeben in die Hände von Nachfolger Sebastian Remelé.

Gudrun Grieser, parteiübergreifend im roten Kleid und mit Ehemann Utho erschienen, erinnerte („nicht um damit anzugeben“) an „keine 18 Tage, die ich krankheitsbedingt fehlte. Den Bürgerauftrag sehr ernst genommen“ habe sie, die Stadt Schweinfurt rundum vorangebracht, „aber nur mit Stadtrat und Verwaltung zusammen. Das, was wir vorweisen können, ist ein Gemeinschaftswerk. Konstruktiv, kompetent, loyal und engagiert sei die Mannschaft hinter ihr gewesen.

„Eine Stadt ist niemals fertig“, lautete letztlich die Botschaft an Sebastian Remelé. Verbunden mit vier Punkten, die Grieser am Herzen liegen. Erstens müsse die Stadt dauerhaft eigene Einnahmen sichern, wozu die Gewerbesteuer notwendig ist und die Einkommenssteuer nicht reiche. Zweitens sei es für die nächsten Jahrzehnte die Aufgabe, die städtische Bevölkerungsstruktur zu verbessern. Drittens müsse eine Gebietsreform irgendwann kommen mit einer Vergrößerung des Stadtgebietes, aber auch des Regionalkreises, „bis dahin aber müssen wir konsequent unsere oberzentrale Funktion stärken“. Und viertens und letztens müsse Schweinfurt weltoffen und tolerant bleiben, in allen Bereichen. „Denn nur solche Städte erfahren dauerhaft einen Zuzug oder einen Verbleib aufstrebender Schichten!“

Am Freitag ab wird sich Gudrun Grieser dann am wirklich letzten Tag im Amt von 11 bis 15 Uhr im Rathausinnenhof (bei schlechtem Wetter in der Rathausdiele) im Rahmen eines lockeren Bürgerfestes auch von der Öffentlichkeit verabschieden.

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