Aus dem aktuellen SWmagaz.in: In Schweinfurt sitzt das geballte Fachwissen für die Rinderhaltung. Das Beratungsteam – Daniel Endres, Andreas Herleth, Klaus Hoffmann und Christian Schmidt unter der Leitung von Matthias Ruhland – ist für ganz Unterfranken und den Landkreis Neustadt/Aisch zuständig.
Matthias Ruhland hat unseren Besuch beim Fleckvieh in Brünnstadt fachmännisch begleitet.
Das Prädikat ‚modernster Betrieb‘ stellt auch der studierte Agrarwissenschaftler Matthias Ruhland vom Fachzentrum Rinderhaltung beim AELF den Brünnstädtern gerne aus. Die Anlage ist seit Juni 2010 in Betrieb. Aufstallungsmäßig und von der Melktechnik her entspricht es dem Stand der Zeit. Der nächste Schritt wäre noch die Vollautomatisierung beim Melken.
Moderne Technik ersetzt nicht das Wissen um das Individuum
Die Technik dient einzig den möglichst optimierten Betriebsabläufen und hat mit Zucht und Haltung der Tiere eigentlich nichts zu tun. Es geht darum, mit möglichst wenig Personal die Kosten gering zu halten und eine hohe, kontrollierte Qualität zu erzeugen.
Beratung in Sachen Viehhaltung
Das Fachzentrum Rinderhaltung berät die Landwirte und Milchviehhalter hauptsächlich in Sachen Fütterung, Zucht, Stallbau und alles, was die Milchviehhaltung betrifft. Matthias Ruhland ist selbst in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, einem Milchviehbetrieb, er kommt aus der Oberpfalz. Nach dem Abitur hat er eine landwirtschaftliche Lehre gemacht und Agrarwissenschaften studiert.
Den elterlichen Milchviehbetrieb bewirtschaftet heute sein Bruder. Von den Rindern konnte Matthias Ruhland doch nicht lassen und so landete er beim Fachzentrum Rinderhaltung.
Zahlen, Daten, Fakten
Nüchterne betriebswirtschaftliche Auswertungen, Beratungsgespräche und seine Pflichten als Lehrer in der Landwirtschaftsschule sind heute seine täglichen Aufgaben. Bei den Beratungen geht es meistens darum, ob und wie man das finanzieren kann oder bauen kann. In der Meister-Klasse der Landwirtschaftsschule unterrichtete er das Fach Milchproduktion. Aktuell waren gerade die Abschlussprüfungen.
Die Flächen werden knapp
Gefragt nach den größten Problemen derzeit bei der Milchviehhaltung und bei den Rindern, erzählte er uns, dass die Flächenknappheit existenzbedrohend werden kann. Für die Schweine kann der Bauer notfalls alle Futtermittel dazu kaufen und damit flächenunabhängig produzieren, so machen es heute die Holländer. Bei den Rindern führt, zumindest bei den Grundfuttermitteln wie Maissilage und Grassilage, kein Weg am Eigenanbau vorbei.
Vieh ohne Acker, das geht nicht
Ein Milchviehhalter oder Rinderzüchter ist ohne Acker nicht denkbar. Man rechnet pro Kuh einen halben Hektar Flächenbedarf für das Futter. Es ergibt sich daraus schon ein Mindestflächenbedarf von 100 und mehr Hektar, wenn man 100 Kühe annimmt.
Fläche ist auch für die Gülle notwendig
Es gibt noch die Vorschriften, wie viel Gülle pro Hektar ausgebracht werden darf, auch dazu sind eigene Flächen notwendig. Der Flächenbedarf konkurriert in bestimmten Regionen mit dem der Biogasanlagen-Betreiber und die Pachtpreise steigen weiter. Trotzdem hat die Milchviehhaltung, in der Betriebsgröße wie in Brünnstadt, seiner Ansicht nach eine Zukunft.
Milchvieh hat Zukunft
Voraussetzung ist eine relativ hohe Milchleistung. Die Kosten werden dann auf viele Liter verteilt, ein Prinzip, das auch in der Industrieproduktion gilt. Das Leitbild, das in Bayern über der Landwirtschaft steht, ist der erweiterte bäuerliche Familienbetrieb. Die Arbeit wird mehr oder weniger mit familieneigenen Kräften erledigt. Es wäre absurd, wenn so ein Betrieb nicht mehr existieren könnte, so der Experte aus dem AELF.
Diaspora der Milchviehhaltung
Allgemein ist Unterfranken die ‚Diaspora‘ der Milchviehhaltung, erklärt uns der Spezialist. Nur 3 % der bayerischen Kühe stehen in Unterfranken, obwohl bei uns 17 % der landwirtschaftlichen Fläche zu Verfügung steht. Unterfranken ist ein relativ viehloses Gebiet. Im Allgäu ist die Dichte viel höher. Wenn im Allgäu Gülle gefahren wird, ist das meilenweit zu riechen. In Unterfranken ist diese ‚Landluft‘ nur sehr sporadisch zu bemerken.
Im ganzen Landkreis gibt es nur noch 3500 Milchkühe in etwa 100 Betrieben. In ganz Bayern gibt es rund 1,2 Mio. Kühe. Es gibt in Südbayern Landkreise, in denen mehr Kühe stehen als in ganz Unterfranken.
Jürgen Kohl
Aus dem aktuellen SWmagaz.in








