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Starke Frau – Renate Eckert

Von hungrigen Schatten ist beim Besuch in Stadtlauringen weit und breit nichts zu sehen. Nach Schatten hungern, das trifft die Situation schon eher. Ein Frühlingstag wie aus dem Bilderbuch, die Sonne beleuchtet den historischen Marktplatz der Marktgemeinde wie auf einer Kitschpostkarte.

Diesen großzügig neugestalteten Platz mit dem Fachwerk-Rathaus im Hintergrund haben wir als Treffpunkt ausgewählt. Der Besuch galt der Schriftstellerin und Autorin von „Hungrige Schatten”, Renate Eckert. Sie wohnt in Stadtlauringen und ist dort aufgewachsen.

 

Auf Anhieb unter Vertrag genommen

Mit diesem Buch hat Renate Eckert auf Anhieb den Sprung in den kleinen, erlauchten Kreis derer geschafft, die von großen Verlagen unter Vertrag genommen werden. Im Fall von Renate Eckert war es die deutsche Tochter des Weltverlages Random House der Bertelsmann-Gruppe. Doch die Geschichte fängt eigentlich viel früher an. Eigentlich ist sie in Schweinfurt geboren, damals nach dem Krieg waren Hausgeburten nicht mehr so „en vogue”. Man war froh, dass die Stadt Schweinfurt solche Einrichtungen der Daseinsvorsorge vorhielt.

 

Mitten im Dorf aufgewachsen

Aufgewachsen ist die kleine Renate allerdings in Stadtlauringen, mitten im Dorf; der Bürgermeister der nördlichsten Marktgemeinde im Landkreis möge diese despektierliche Ausdrucksweise verzeihen. Zusammen mit Oma, Opa, Mama, Tanten und Onkel war das bäuerliche Anwesen an der alten Stadtmauer das Domizil der Großfamilie. Der Vater war in den letzten Kriegstagen gefallen. Als Einzelkind hatte sie immer rege Kontakte zu anderen Kindern und der Garten, die Wiesen und Felder der nahen Umgebung waren der Spielplatz. Wie bei vielen Mädchen in dieser Zeit, war Schulbildung nicht unbedingt weiblich. „Die heiraten ja sowieso irgendwann…” Ihre Lehrerin, es war in der vierten Klasse, hat die Talente der kleinen Renate erkannt. Sie hat nach persönlichen Gesprächen versucht, die Mutter davon zu überzeugen, Renate ins Gymnasium zu schicken. Das Ergebnis war, als Kompromiss, der Besuch der Klosterschule der Franziskanerinnen in Volkach. Ein Internat, das durch recht strenges Reglement bekannt geworden ist. Durchgehalten hat das Mädchen nur mit der Aussicht auf einen Abschluss, der sie weiterbringt. Der Wille, eine möglichst umfangreiche Bildung zu erwerben, war schon damals ihr Antrieb. Schon während der Schulzeit und danach weiter, hat sie Weltliteratur „gefressen”. Jeden erreichbaren „Schinken”, auch wenn er mehr als tausend Seiten hatte, wurde verschlungen.

 

Sprache ist ihre Leidenschaft

Sofort nach der Schule hat sie angefangen Sprachen zu lernen. Sie wollte unbedingt beruflich „irgendwas mit Sprachen” machen. Die Berlitz-School, eine Abendschule in Schweinfurt und Würzburg, war jahrelang ihre bildungspolitische Heimat. Das endete dann in der Prüfung als Auslandskorrespondentin. Englische Bücher liest sie heute noch, Französisch fällt ihr schon schwerer, obwohl ihre eigene Tochter Französisch in Frankreich studiert hat. Ihre erste Anstellung als Auslandskorrespondentin fand sie in der Schweinfurter Großindustrie. Der Bildungsstress ging weiter: abends, nach einem Achtstundentag noch von 18.00 bis 22.00 Uhr in die Schule und das viermal in der Woche, zwischendrin Hausaufgaben machen.

 

Das erste Auto, ein Käfer

Von ihrem Gehalt konnte sie sich schon damals einen alten VW-Käfer leisten, Vorraussetzung, um überhaupt zwischen Stadtlauringen und Schweinfurt zu pendeln. Nach der Hochzeit und der Geburt ihrer Tochter Kerstin war erst einmal Babypause angesagt.

 

Als „Freie” zur Tageszeitung

Der Zufall wollte, dass der damalige freie Mitarbeiter der Tageszeitung in Stadtlauringen seinen Dienst aus Altersgründen quittierte. Renate Eckert hat sich beworben und wurde genommen. Der ursprüngliche Nebenjob, als Training gegen das „Einrosten” gedacht, wuchs sich sehr schnell zu einem richtigen Beruf aus. Wieder war Renate Eckert Korrespondentin, diesmal aber nicht für‘s Ausland sondern für den gesamten nördlichen Landkreis. Sie erinnert sich noch sehr gut daran, wie sie vor allem in den Abendstunden von Termin zu Termin hetzte, getrieben von einem Landredakteur, an den sie sich heute noch sehr positiv erinnert. Ihr Lehrmeister wurde der legendäre Sprachakrobat Herbert Schäfner. Sein Leitspruch war:

 

„Ein Journalist findet selber nicht statt…”,

ein Spruch von dem sich Renate Eckert wünscht, er würde heute noch beachtet. 1987 hat sie dann Altlandrat Beck abgeworben, er brauchte damals dringend eine Pressesprecherin. So bezog Renate Eckert ihren Schreibtisch im alten Landratsamt in der Ignaz-Schön-Straße. Damit das Ganze auch rechtsstaatlich zugegangen ist, musste sich Renate Eckert bei ihrer offiziellen Bewerbung gegen 50 andere Mitbewerber durchsetzen.

Sie hat sich durchgesetzt… Nach der Wahl 1994 hat der neue Landrat Harald Leitherer sie übernommen. Zur persönlichen Referentin ist sie aufgestiegen und bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Amt war sie insgesamt 17 Jahre lang Gesicht und Stimme dieses Hauses und des gesamten Landkreises. Sicher gäbe es über diese Zeit viel zu erzählen, aber diskret und loyal ihren Dienstherren gegenüber war Renate Eckert immer, auch heute, Jahre danach, sind ihr keine Episoden zu entlocken. Nur so viel, dass auch sie in ihrer a.D.-Zeit schon mal Besuch von Landrat Harald Leitherer, auf einen Kaffee (den sie auch heute noch selber mahlt und brüht) und auf ein Pfeifchen, bekommen hat.

 

Richtig durchgestartet

Nach ihrem aktiven Berufsleben ist Renate Eckert noch einmal so richtig durchgestartet. Sie hat das gemacht, was sie eigentlich schon als Kind machen wollte, ein Buch geschrieben. Mit dem Manuskript unter dem Arm hat sie auf der Buchmesse in Leipzig alle Verlag abgeklappert. Niemand wusste, dass Renate Eckert nie aufgibt. Sie hat sich nicht abwimmeln lassen, sie hat durchgesetzt, dass ein Lektor ihr Werk liest.

 

Eigene Literatur-Agenten

Genau dieser Lektor hat ihr Erstlingswerk dann auch drucken lassen und es wurde für einen Psychothriller recht gut verkauft. Mit dem Vertrag und den ganzen mühsamen Umständen unzufrieden, hat sich die Autorin eigene Literatur-Agenten gesucht und ist in Berlin fündig geworden.

 

Ein viertes Buch in Arbeit

Beflügelt durch den Erfolg schrieb sie weiter, insgesamt drei neue Titel sind fertig und ein vierter in Arbeit. Die Agentur verhandelt zur Zeit mit allen namhaften Verlagen im deutschsprachigen Raum und wir können sicher sein, dass die Titel in absehbarer Zeit auf den Markt kommen. In dem Artikel im Landkreismagazin zu ihrem Abschied aus dem Landratsamt stand: Man wird noch von ihr hören. Dieser Satz gilt uneingeschränkt weiter.

Jürgen Kohl

Aus SWmagaz.in 5/11

twitter: @juergenkohl

jkohl@revista.de

 

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