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Sechste Vesperkirche Schweinfurt eröffnet

Schweinfurt: Mit einem festlichen Gottesdienst in der bis auf den letzten Platz gefüllten St. Johanniskirche wurde die mittlerweile sechste Vesperkirche Schweinfurt eröffnet. Diakonie und Kirche arbeiten eng zusammen, um 15 Tage lang jeden Mittag alle, die kommen, zu einem vollwertigen Mittagessen für 1,50 € einzuladen. 50 bis 60 Mitarbeitende sind jeden Tag für dieses außergewöhnliche Ereignis im Einsatz. Am ersten Tag gaben sie 384 Essensportionen aus; erfahrungsgemäß wird die Zahl in den nächsten Tag noch leicht ansteigen.

Dekan Bruckmann verwies in seiner Begrüßung auf den Wochenspruch des Sonntags und der beginnenden Woche: „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lk 13, 29) Während Hunderttausende auf der ganzen Welt auf der Flucht seien, lade St. Johannis zur Vesperkirche und lade alle ein, gemeinsam teilzunehmen und teilzuhaben an der Gemeinschaft – „ein Stück Himmel auf Erden“.

Regionalbischöfin Gisela Bornowski predigte über die Erzählung aus der Apostelgeschichte, in der Petrus von Gottes Geist zu einem römischen Hauptmann geschickt wird und selbst erfährt, dass Gott keine Grenzen setzt. Auch der römische Heide wird von Gott angesprochen, lässt sich taufen. Grenzen, die unüberwindbar galten, werden von Gott überwunden.

Für Bornowski zeigt sich diese Überwindung der Grenzen wunderbar in dem weihnachtlichen Film vom „kleinen Lord“, in dem die Grenzen zwischen Hochadeln und einfachem Volk, zwischen Reichen und Armen zunächst sehr deutlich sichtbar werden. Doch das Kind, der „kleine Lord“, weicht in seiner Unbedachtheit und voller lieber diese Grenzen auf – und am Ende sitzen alle zusammen und feiern Weihnachten.

So ist Vesperkirche: Alle sind eingeladen. Es werden keine Unterschiede gemacht, Leib und Seele gehören zusammen.

Immer sei es Aufgabe der Christen gewesen, solche Grenzen einzureißen, so Bornowski. Damit sei die Kirche noch lange nicht fertig. Vieles, was heute normal sei – auch die Vesperkirche, aber ebenso die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren und vieles andere – wäre vor 50 Jahren noch nicht vorstellbar gewesen. Doch heute würden vielerorts wieder neue Grenzen aufgebaut: Europa schütze seine Außengrenzen, die USA bauten eine Mauer, um sich vor Flüchtlingen zu schützen.

Wohin solche Grenzen führen können, darin erinneren wir am morgigen Gedenktag 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. „Wir müssen vereint sein im Kampf gegen Antisemitismus, Faschismus und jeder Art von Ausgrenzung.“ Manchmal sei es dazu dann auch nötig, sich doch wieder abzugrenzen und deutlich nein zu sagen zu derartigen Äußerungen.

 

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