Mitmenschlichkeit zeigt sich oft im Kleinen: in einem offenen Ohr, einer helfenden Hand oder gemeinsam verbrachter Zeit. Gerade in einer Phase, in der viele Menschen Angst vor Armut, Ausgrenzung und gesellschaftlicher Spaltung haben, entsteht daraus eine Kraft, die unsere Demokratie trägt.
Knapp 27 Millionen Menschen engagieren sich laut dem Sechsten Deutschen Freiwilligensurvey in Deutschland ehrenamtlich. Sie löschen Brände bei der Freiwilligen Feuerwehr, trainieren Kinder im Sportverein oder retten Lebensmittel für armutsbetroffene Menschen. Bei den Tafeln sind rund 77.000 Menschen aktiv; 94 Prozent von ihnen arbeiten ehrenamtlich.
Die Beweggründe sind vielfältig. Viele möchten nach einem erfolgreichen Berufsleben etwas zurückgeben. Andere suchen Gemeinschaft oder eine sinnvolle Aufgabe. Manche unterstützen ihre Tafel, obwohl sie selbst Lebensmittel von ihr erhalten. Sie alle machen deutlich: Engagement kennt unterschiedliche Lebenswege – aber ein gemeinsames Ziel.
Tafeln teilen deshalb nicht nur Lebensmittel, sondern auch Zeit. Über die Jahre sind viele Ausgabestellen zu Orten der Begegnung geworden. Dort kommen Menschen miteinander ins Gespräch, die sich sonst vielleicht nie kennengelernt hätten. Wer sich auf Augenhöhe begegnet, merkt häufig, wie wenig von den eigenen Vorurteilen übrig bleibt.
Das Ehrenamt eröffnet außerdem die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können. Gespendete Waren zu sortieren und später die Freude über eine Tüte mit Obst und Gemüse zu erleben, macht den eigenen Beitrag unmittelbar sichtbar. Diese Selbstwirksamkeit ist auch demokratisch wichtig: Sie zeigt, dass wir unser Umfeld und unsere Gesellschaft gemeinsam gestalten können.
Doch freiwilliger Einsatz entlässt den Staat nicht aus seiner Verantwortung. Die Arbeit der mehr als 980 Tafeln für rund 1,5 Millionen Menschen macht Armut und soziale Ungleichheit sichtbar. Nötig sind Reformen, die das Existenzminimum sichern, bezahlbaren Wohnraum ermöglichen und gleiche Chancen auf Bildung und Teilhabe schaffen.
Für die wirksame Bekämpfung von Armut bleibt die Politik zuständig. Für den Zusammenhalt in unseren Nachbarschaften und in der Gesellschaft sind wir alle gefragt. Der Tafel-Tag am 15. September 2026 setzt deshalb ein klares Zeichen: Teilen, um zusammenzuhalten.
Bearbeitete Kurzfassung auf Grundlage des Grußworts von Andreas Steppuhn zum Tafel-Tag 2026. Stand: 15. September 2026.








