Holzmedien galore! Ein Plädoyer für Printmedien

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Ja, schon richtig verstanden. Ich will in diesem Blogbeitrag aufzeigen, wie wertvoll gedruckte Medien für unsere Gesellschaft sind.

Gut, die gedruckte Tageszeitung kann natürlich nicht mit der Aktualität des Internets mithalten. Bildergalerien sind online auch irgendwie einfacher und besser zu verwirklichen. Kommunikation zwischen Autor und Leser hat im Print verständlicherweise auch nicht allzu viel Platz. Inhaltlich ist das Online-Nachrichtenangebot vielleicht einfach unschlagbar.

Was macht die Printmedien dann aber so wertvoll?

Ihr Gewicht! Und ich meine nicht das Gewicht in der gesellschaftlichen Debatte, sondern wirklich die paar Gramm, die jede Seite Papier auf die Waage bringt.

Papier, genauer gesagt Altpapier, ist ein Rohstoff, der nach Weltmarktpreisen gehandelt wird. Und auch wenn der Preis sehr großen Schwankungen ausgesetzt ist, ist der Rohstoff Papier die meiste Zeit sehr begehrt und sein Markt entsprechend hart umkämpft.

Und zu diesem „Kampf“ trage ich mein Scherflein bei. Zweimal im Jahr mache ich das. Denn jedes Jahr, jeweils im Frühjahr und im Herbst, sammelt die Jugend meiner Heimatgemeinde Altpapier im großen Stil. Der Erlös geht dann direkt aufs Konto der Jugend und trägt somit in großem Maße zur Finanzierung der Jugendarbeit bei.

Mit gemieteten Kleintransportern wird das Papier im ganzen Stadtteil eingesammelt. Dazu kommen einige Reisebüros in der Innenstadt, Einrichtungen der Diözese, usw. Zentrale Sammelstelle ist immer der Parkplatz des Landratsamtes Würzburg, welches uns freundlicherweise immer den Platz zur Verfügung stellt. Da stehen dann einige 30-m³-Container vom örtlichen Recycling-Unternehmen bereit.

Wenn dann nach zwei Tagen Sammlung insgesamt so 40 Tonnen zusammenkommen, war es auf jeden Fall eine gute Sammlung. Und bei Preisen von bis zu € 95,- pro Tonne lohnt sich das auch wirklich.

Das war bzw. ist aber leider nicht immer so. Wie gesagt, der Preis für die Tonne Altpapier ist vom Weltmarkt abhängig. In den letzten Jahren gab es daher die Situation, dass der Preis eine Zeit lang immer weiter in die Höhe schoss, um anschließend von jetzt auf gleich (also in unserem Fall von einer Sammlung auf die nächste) fast bis auf Null zu fallen. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise war es dann tatsächlich so, dass der Tonnen-Tarif zwar noch ausgereicht hat um unsere Kosten zu decken, darüber hinaus war aber nicht mehr viel drin. Für die abgelieferten Kartonagen hätten wir sogar noch eine Entsorgungsgebühr bezahlen müssen, würde uns das Recycling-Unternehmen nicht immer recht wohlwollend entgegenkommen. Das muss man sich einmal vorstellen! Ein Rohstoff, der quasi komplett wiederverwertbar ist, wird in der Folge des Zusammenbruchs einiger Großbanken praktisch wertlos.

Zum Glück sind wir einerseits nicht (ausschließlich) auf diese Einnahmequelle Altpapiersammlung angewiesen und ist andererseits der Preis für das Papier nicht dauerhaft niedrig geblieben. Aber interessant ist das schon. Als normaler Bürger ist man ja meistens nicht wirklich direkt mit der Krise in Kontakt gekommen. Und ich hab auch nie verstanden, weshalb kleine und mittelständische Unternehmen so schwer darunter zu leiden haben. An diesem Beispiel hab ich es verstanden.

Diese kurze Darstellung der politischen und weltwirtschaftlichen Dimension alter Zeitungen war ein interessanter Exkurs, eigentlich wollte ich ja aber ein Plädoyer für Printmedien halten.

Also nochmals: Ich glaube nicht, dass man sich im Print in irgendeiner Weise so wesentlich besser informieren kann, als es durch das Internet möglich ist, dass dies ein nicht gerade billiges Tageszeitungs-Abo rechtfertigen würde. Zumindest geht es mir so.

Ich verbinde eben die Tageszeitung oder beispielsweise auch den Reisekatalog immer mit dieser Altpapiersammlung. Und das machen außer mir noch erstaunlich viele andere Leute aus dem Stadtteil. Diese Menschen lesen jeden Tag ihre Zeitung und ihre Prospekte, wie Millionen anderer Leute auch. Aber sie werfen diese dann nicht einfach in die Blaue Tonne, sondern machen sich das ganze Jahr über die Arbeit und tragen die gelesenen Zeitungen in den Keller oder in die Garage, bündeln dort das Papier, stellen sich teilweise den halben Keller damit zu und zwar nur weil sie wissen, dass wir dann zweimal im Jahr vorbei kommen und wirklich dankbar dafür sind. Und die Leute sind auch dankbar. Da sind teilweise Leute dabei, jenseits der 80 Jahre, denen es spürbar Freude bereitet, wenn am Freitagnachmittag eine Gruppe Jugendlicher kommt, um das mühsam angesammelte Papier aus dem Keller auf die Straße zu bringen. Hernach gibt’s dann noch ein kleines Trinkgeld und eine Tüte Gummibärchen für die fleißigen Helfer.

Diese Menschen haben über die Jahre und Jahrzehnte verinnerlicht, dass es unheimlich wichtig ist für die Jugend zu sammeln. Und das ist es tatsächlich. Nicht unbedingt, weil die zwei Stapel Papier von der Frau Müller so viel Geld wert wären. Aber sie zeigen uns doch, dass die Frau Müller wirklich gerne etwas für den Gemeindenachwuchs tut, sich aufrichtig über die vielen Jugendlichen freut. Das ist mir persönlich richtig viel wert!

Leider spürt man aber gerade auch an diesem Aspekt, wie sehr sich die Menschen von ihrem Stadtteil, von ihrer Gemeinde entfremden. Es ist für uns nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Sammlung in den Privathaushalten des Stadtteils nicht mehr rentiert. Zunehmend vielen Leuten erscheint diese Form der Abfallentsorgung wohl einfach absurd aufwändig. Weil sie einerseits nicht wissen, was an positiven Werten dahinter steht und weil sie sich andererseits aber auch einfach nicht dafür interessieren. Vielleicht ändert sich das in absehbarer Zeit aber auch wieder. Man darf gespannt sein.

Für den Moment machen wir auf jeden Fall erst mal so weiter. Der Termin für die nächste Sammlung ist auch schon in Planung.

Schließlich hat die Frau Müller ja heute auch wieder angefangen für die nächste Sammlung im Herbst die Zeitungen aufzuheben.

Grüße aus Würzburg!

Kilian
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